G+J: Akquisition bei Fachinformationen geplant / Konkrete Gespräche

Donnerstag, 25. März 2010
Der Verlag will sich neue Geschäftsfelder erschließen.
Der Verlag will sich neue Geschäftsfelder erschließen.

Der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr arbeitet mit Hochdruck, aber noch im Verborgenen, am Aufbau eines zweiten Kerngeschäfts - dem mit (digitalen) Fachinformationen. Bereits im vergangenen Jahr hatte G+J entsprechende Pläne verkündet, ins so genannte Professional-Publishing- und Business-Information-Geschäft einsteigen zu wollen, dessen Charme für G+J in der Werbemarktunabhängigkeit und in der B-to-B-Ausrichtung liegt - im Gegensatz zum bisherigen Kerngeschäft mit der Erstellung und Vermarktung journalistischer Inhalte. "Wir kommen in der Entwicklung dieses Neugeschäfts sehr gut voran", sagte G+J-Vorstandschef Bernd Buchholz auf der Bilanzpressekonferenz des Verlags am Donnerstag. Man habe in den vergangenen Monaten alle relevanten Märkte, Segmente, 50 bis 60 Modelle sowie rund 300 Player analysiert, vorrangig in Europa. „Wir befinden uns bereits in konkreten Planungen und Gesprächen zum Markteinstieg", so Buchholz mit Blick auf möglicherweise noch in diesem Jahr anstehende Akquisitionen. Die vorhandenen Investitionsmittel - laut Bilanz verfügt der Verlag über 294 Millionen Euro im so genanten Finanzmittelfonds - reichten für einen Markteinstieg aus. Genaues wollte er nicht sagen. Nur soviel: Professional Publishing solle "mittelfristig", in zwei, drei Jahren, die zweite tragfähige Geschäftssäule werden. Dann könnte es auch, so war im Umfeld der Pressekonferenz zu hören, ein eigenes Vorstandsressort dafür geben.

Daneben bekräftigte Buchholz die beiden anderen Teile seiner Strategie: Umbau und Ausbau des bisherigen Kerngeschäfts. Der Umbau - gemeint sind die berühmten "Strukturmaßnahmen" zur Kostensenkung, auch mit Stellenabbau -, von Buchholz verstanden als „Stärkung unseres Fundaments, um zukunftsfähig zu bleiben", werde G+J "auch in Zukunft beschäftigen müssen, da sich die Rahmenbedingungen laufend ändern". Er werde "weitere strukturelle Anpassungen notwendig machen und dabei auch weiterhin von allen Verantwortlichen Veränderungsbereitschaft" abfordern. Hier nannte Buchholz für dieses Jahr etwa die "klare Zielvorgabe, die Refinanzierbarkeit unserer digitalen Produkte sicherzustellen". Es sei "die größte Herausforderung unserer Zeit", den Verlag so aufzustellen, dass Qualitätsjournalismus ("Ein Wert an sich, den es zu erhalten gilt") weiterhin finanzierbar und wirtschaftlich darstellbar bleibe.

Die drei Ausbauhoffnungen im bisherigen Kerngeschäft Journalismus/Vermarktung sind Corporate Publishing (Kundenmedien) - auch auf der Pressekonferenz gerne verwechselt mit Professional Publishing, siehe oben -, Online-Vermarktung und der chinesische Markt. Mit Kundenmedien erziele G+J heute allein in Deutschland 50 Millionen Euro Umsatz, so Buchholz. Ziel sei eine Verdopplung. Auf ein vergleichbares, wenn auch etwas geringeres Volumen taxiert er die Online-Vermarktung. Die Digitalvermarktungstochter G+J EMS habe 2009 netto ein deutlich zweistelliges Wachstum erzielt, der Performance-Vermarkter Ligatus strebe in diesem Jahr "signifikantes Wachstum" an. Und im Riesenmarkt China (G+J-Umsatz bisher: über 50 Millionen Euro), in dem Volkswirtschaft und Print-Segment nach wie vor wachsen, will G+J weitere Magazine launchen. rp
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