"Frühstücksfernsehen" im HORIZONT-Check: Dittsche, übernehmen Sie

von David Hein
Dienstag, 07. Mai 2013
Olli Dittrich und Cordula Stratmann präsentieren "Frühstücksfernsehen"
Olli Dittrich und Cordula Stratmann präsentieren "Frühstücksfernsehen"


Mit der Satire-Sendung "Frühstücksfernsehen" ist Olli Dittrich wieder einmal ein Geniestreich gelungen: In dem 30-minütigen ARD-Format entlarvt der Comedian gewohnt treffsicher die Rituale der allmorgendlichen Fernsehunterhaltung. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt allerdings: Zu ganz großer Form läuft Dittrich immer dann auf, wenn er wie bei "Dittsche" improvisieren kann.
Zuschauer, die am Montagabend eher zufällig bei "Frühstücksfernsehen" reingezappt haben, dürften sich verwundert die Augen gerieben haben. Auf den ersten Blick war die Satire-Sendung vom Original nämlich kaum zu unterscheiden. Zum authentischen Look trug dabei mit Sicherheit auch bei, dass die Innenaufnahmen in den Originalstudios des ARD-Frühstücksfernsehens in Köln gedreht wurden - und der WDR Humor in eigener Sache beweist.

Dreh- und Angelpunkt der Sendung ist Olli Dittrich, der in nicht weniger als neun Rollen die scheinbar ehernen Regeln des Frühstücksfernsehens und der ARD ad absurdum führt. Angefangen von der aufgesetzten Heiterkeit der Moderatoren - großartig auch das eingefrorene Lächeln von Dittrichs Partnerin Cordula Stratmann - über die immer gleichen Fragen an die immer gleichen Experten bis hin zur starren Inszenierung der Nachrichten im Ersten - indem Dittrich die seit Jahrzehnten eingespielten Fernseh-Rituale extrem überspitzt, fällt es dem Zuschauer mehr als einmal wie Schuppen von den Augen, wie sehr man sich mittlerweile an die Inszenierung der Wirklichkeit im Fernsehen gewöhnt hat.

Wenn zum Beispiel ein beliebiger "Experte" in einem einzigen Beitrag drei Mal ein Buch aus dem Regal holt, kurz darin blättert, um dann mit ernster Mine die immer gleichen Floskeln abzusondern, macht allein schon die reine Wiederholung die Sinnlosigkeit vieler Expertenstatements deutlich.

"Was ist passiert?" - "Nichts."
"Was ist passiert?" - "Nichts."
Herrlich absurd auch die "Kurts Nachrichten", in denen Dittrich die oft sinnlosen Schaltungen zu Außenreportern auf die Spitze treibt: "Was ist passiert?" - "Nichts. Aber hier sind alle gut vorbereitet." Nicht fehlen darf natürlich auch der Hinweis auf den anschließenden "Brennpunkt" mit dem Titel "Viel heiße Luft - Haben wir einen Knall?".

Auch die Einspielfilme, in denen Dittrich unter anderem als CSU-Bürgermeisterin Ingrid Höffelhuber im Kampf gegen Kinderlärm auftritt oder als südamerikanischer Fußball-Star "Pipo" das Kauderwelsch von Bundesliga-Legionären wie Ailton imitiert, waren kleine humoristische Perlen. Für Überraschungsmomente sorgten außerdem Gastauftritte von Ben Becker, Reinhold Beckmann oder HSV-Trainer Torsten Fink.

Versierte Zuschauer konnten sich außerdem über die vielen kleinen eingestreuten Hinweise auf aktuelle Themen freuen, angefangen vom Skandal um die Hitler-Tagebücher, die als Honecker-Tagebücher auftauchten, über die Verballhornung des ARD-Slogans ("Wir sind Ei") bis hin zu einem kleinen Seitenhieb auf das missglückte Interview mit Katja Riemann.

Allerdings sei auch nicht verschwiegen, dass der eine oder andere Gag nicht so recht zünden will. Zu wirklich großer Form läuft Olli Dittrich ja eigentlich immer dann auf, wenn er improvisieren kann und sich nicht an ein festes Script halten muss. Manchmal würde man sich bei "Frühstücksfernsehen" ein wenig mehr Anarchie à la "Dittsche" wünschen. Doch dafür dürfte im starren Schema des ARD-Frühstücksfernsehen wohl kein Platz sein. dh
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