Friedensnobelpreisträger protestieren gegen TV-Kriegsspiele von NBC

Mittwoch, 15. August 2012
"Stars Earns Stripes": NBC gibt sich patriotisch (Foto: NBC.com)
"Stars Earns Stripes": NBC gibt sich patriotisch (Foto: NBC.com)


Es ist eine TV-Show, wie sie in dieser Form wohl nur in den USA möglich ist: In "Stars Earn Stripes" spielen Prominente Krieg. Nun regt sich Widerstand gegen das patriotische Spektakel: Neun Friedensnobelpreisträger, darunter der bekannte Erzbischof Desmond Tutu aus Südafrika, appellieren in einem offenen Brief an NBC, die TV-Kriegsspiele einzustellen. Untermalt von dramatischer Musik simulieren die Kandidaten in der Show, die am Montag ihre TV-Premiere feierte, zum Beispiel einen Kommandoeinsatz auf feindlichem Gebiet, springen aus einem Helikopter ab oder trainieren den Umgang mit großkalibrigen Waffen. Zu den Teilnehmern gehören unter anderem die Profiboxerin Laila Ali, Tochter von Boxlegende Muhammad Ali, Todd Palin, Ehemann der erzkonservativen Tea-Party-Ikone Sarah Palin oder die ehemalige Skirennläuferin Picabo Street. Angeleitet werden die schießwütigen Promis von Ex-Soldaten und professionellen Söldnern, präsentiert wird die Show vom früheren US-General Wesley Clark.

Laut NBC soll die Sendung den Zuschauern die Leistungen US-amerikanischer Soldaten vor Augen führen und würdigen. Die Gage der Prominenten kommt unter anderem Stiftungen zugute, die sich um Kriegsveteranen kümmern.

Doch nun regt sich Widerstand gegen die extrem realistisch inszenierten Kriegsspiele: In einem offenen Brief an an den Chef von NBC fordern neun Friedensnobelpreisträger die Einstellung der Sendung: Krieg sei "weder amüsant noch unterhaltsam", heißt es in dem Schreiben, das unter anderem der südafrikanische Geistliche Desmond Tutu, der ehemalige Präsident von Osttimor, Jose Ramos-Horta und Jody Williams, die sich gegen Landminen einsetzt, unterzeichnet haben. Die Friedensaktivisten kritisieren außerdem, dass die Show Krieg als "athletischen Wettkampf" verharmlose. NBC zeigte sich in einer ersten Stellungnahme uneinsichtig: Die Sendung sei keine Glorifizierung des Krieges, sondern eine Glorifizierung des Dienstes am Vaterland. dh
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