Freispruch für Cascada: Gutachten im NDR-Auftrag sieht in "Glorious" kein Plagiat

Dienstag, 26. Februar 2013
Cascada darf wohl doch für Deutschland singen (Bild: NDR/Willi Weber)
Cascada darf wohl doch für Deutschland singen (Bild: NDR/Willi Weber)


Dem Auftritt von Cascada beim Eurovision Song Contest steht offenbar nichts mehr im Wege: Der NDR hat die Ergebnisse des musikwissenschaftlichen Gutachtens veröffentlicht, mit dem die Plagiatsvorwürfe gegen Cascadas Song "Glorious" ausgeräumt werden sollten. Die Studie des Gutachters Matthias Pogoda meldet "keine auffälligen Ähnlichkeiten". "Es lässt sich zusammenfassen, dass 'Glorious' und 'Euphoria' keine urheberrechtlich bedeutsamen Übereinstimmungen aufweisen. Sie sind lediglich stilistisch ähnlich und zeigen nur im Arrangement eine oberflächliche Berührung ohne urheberrechtlichen Belang", so Pogodas Fazit. Der vom NDR bestellte Experte arbeitet seit 1992 als Musikgutachter und Sachverständiger für Plagiatsfragen und berät Künstler, Musikverlage, Rechtsanwälte, Werbeagenturen und Urheberrechtskammern als bestellter Gerichtsgutachter.

Statt allzu starke Ähnlichkeiten festzustellen, erkennt Pogodas Gutachten sogar deutliche Unterschiede im Arragement der beiden Sonags. Sie seien zwar "mit ähnlichen und stiltypischen Mitteln arrangiert" und verwendeten "neben handelsüblichen Sounds und Beats (...) ähnliche Keyboardbegleitfiguren". Im Notenbild gegenüber gestellt lasse sich jedoch erkennen, "dass die konkrete Ausformung dieser Begleitfiguren in beiden Musiken deutlich unterschiedlich ist." Für einen begründeten Plagiatsvorwurf müssten "detaillierte Übereinstimmungen einer längeren Begleitpassage vorliegen und weitere Arrangementbestandteile passgenau übereinstimmen." Dies sei hier nicht der Fall. Für sein Gutachten hatte Pogoda die "Vokale Melodik" und das "Arrangement" beider Musikstücke untersucht, untergliedert in die Punkte "Strophen", Refrains", "Strophenbegleitfiguren" und "Refrainbegleitfiguren".

"In seinem Gutachten hat Matthias Pogoda festgestellt, dass beide Songs sich in wesentlichen Punkten unterscheiden. Auch die Geschäftsführung des 'Euphoria'-Musikverlages 'peermusic' kennt das Gutachten und wünscht dem deutschen Beitrag Cascada viel Glück. Deshalb freue ich mich, dass Cascada am 18. Mai beim Eurovision Song Contest in Malmö für Deutschland auf der Bühne stehen werden", sagt ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber.

Die Plagiatsvorwürfe waren unmittelbar nach dem Sieg Cascadas beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest aufgekommen. Eine phonetische Analyse der Universität Kiel im Auftrag der "Bild am Sonntag" war zu dem Ergebnis gekommen, dass "Glorious" auffälige Ähnlichkeiten zu "Euphoria", dem Gewinnersong des letztjährigen europäischen Gesangswettbewerbs, aufweise. Demnach würden Beats, Gesangsdynamik und Pausensetzung der beiden Musikstücke in weiten Teilen übereinstimmen. Der NDR als für die Ausstrahlung des deutschen Vorentscheids verantwortliche Rundfunkanstalt hatte die Vorwürfe zurückgeweisen und ein eigenes Gutachten angekündigt. ire
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