Freigabe des Web-Versands von Arzneimitteln ist umstritten

Mittwoch, 20. März 2002

Mit einer breiten Kampagne will die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) gegen diegeplante Liberalisierung des Arzneimittelversands vorgehen. Die Offensive, die den Namen "Initiative Pro Apotheke" tragen wird, richtet sich vor allem gegen die von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) offenbar geplante Freigabe des Web-Versands von bislang apothekenpflichtigen Produkten.

"Wir werden vor allem Below-the-Line-Maßnahmen in den Apotheken fahren", so ABDA-Sprecher Elmar Esser, "es wird aber auchklassisch in Print und Hörfunk geworben." Die Kampagne soll vor allem auf die Beratungsqualität und die Schnelligkeit der stationären Apotheken hinweisen. Auf den Etat dürfen sich gemeinsam die Agenturen Gräfe-Bub Healthcare, Siegen, Gams & Schrage, Krefeld, und Kügler & Partner, Düsseldorf, freuen, die auch bislang für die ABDA tätig sind. Starten soll die Kampagne Mitte April.

Eine Freigabe von Web-Apotheken würde die bisherigen Kalkulationsgrundlagen der rund 21500 stationären Apotheken in Deutschland gefährden. Online-Apotheken wie das umstrittene, von den Niederlanden aus operierende Unternehmen Docmorris zeigen: Medikamente könnten drastisch preiswerter angeboten werden. Auch die Verbände der Krankenkassenfordern daher, den Internethandel freizugeben. Nach ihrer Schätzung könnten dadurch jährlich rund 511 Millionen Euro eingespart werden.

Die Apotheker verweisen dagegenauf die Wichtigkeit kompetenter Beratung vor Ort. Laut ABDA wenden Patienten in 50 Prozent der Fälle Arzneimittel in Eigenregie nicht korrekt an. Zudem setze eine Liberalisierung eine Entwicklung in Gang, "die in letzterKonsequenz zur Zerstörung des bisherigen Apothekensystems führt", so Elmar Esser. Die Freigabe des Versandhandelssoll nach dem Willen von Ulla Schmidt offenbar bereits in der nächsten Legislaturperiode greifen - in Verbindungmit einer umfassenden Liberalisierungdes Arzneimittelhandels.
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