Freenet-Chef Eckhard Spoerr schmeißt hin

Dienstag, 23. Dezember 2008
Eckhard Spoerr verlässt sein Unternehmen
Eckhard Spoerr verlässt sein Unternehmen

Am Ende war der Druck wohl zu groß. Eckhard Spoerr, Gründer und langjähriger Vorstandschef von Freenet, nimmt nach knapp 10 Jahren seinen Hut. Der Aufsichtsrat des in Büdelsdorf ansässigen Telekommunikationsanbieters stimmte am Montag dieser Woche einer Aufhebung seines Vertrages zu. Gründe für den Rücktritt wurden nicht genannt. Allerdings gilt als sicher, dass Spoerr das Vertrauen der Großaktionäre verloren hat. Vor allem Finanzinvestor Permira, der im Zuge der Übernahme von Debitel durch Freenet im Juli rund 25 Prozent an Freenet erhielt, war laut Medienberichten unzufrieden mit Spoerr. Auch die Chefs von United-Internet und Drillisch, Ralph Dommermuth und Paschalis Choulidis, die über die gemeinsame MSP Holding mehr als 25 Prozent der Anteile halten, wollten Spoerr loswerden. Um ihren Plan, Freenet aufzuspalten und unter sich aufzuteilen, durchzusetzen, hatten sie in diesem Jahr bereits mehrfach versucht, Spoerr zu entmachten - doch dieser hatte die drohende Zerschlagung des Unternehmens immer wieder in letzter Minute vereitelt - unter anderem mit dem Kauf von Debitel.

Wie es nun mit Freenet weitergeht, ist unklar. Spoerr wollte den früheren Internet-Service-Provider, der im Zuge der Integration seiner ehemaligen Muttergesellschaft Mobilcom und des Debitel-Kaufs zum drittgrößten Mobilfunkanbieter Deutschlands aufgestiegen ist, zu einem Unternehmen umbauen, das sich auf Geschäftsmodelle rund um das mobile Internet spezialisiert. Das DSL-Geschäft, an dem unter anderem United Internet interessiert war, sollte abgestoßen werden, allerdings wurde bislang kein Käufer gefunden. Freenet-Vorstand Joachim Preisig, der nun übergangsweise Vorstandssprecher wird, betont zwar, dass die von Spoerr eingeschlagene Strategie, die auf der "Konvergenz von mobilem Internet und Mobilfunk" beruhe, weitergeführt werden soll. Ob der neue CEO, der alsbald bestellt werden dürfte, diese Meinung teilt, muss sich aber erst noch zeigen. Denn der künftige starke Mann bei Freenet dürfte vor allem den Interessen der Großaktionäre verpflichtet sein - und die haben offenbar andere Vorstellungen als Spoerr.

Als möglicher Nachfolger Spoerrs wurde bereits der frühere Debitel-Chef Oliver Steil genannt. Steil, der im Freenet-Vorstand eigentlich die Verantwortung für die Bereiche Vertrieb und Kundenmarketing übernehmen sollte und dem Vernehmen nach einen guten Stand bei Permira hat, war kürzlich nach Unstimmigkeiten aus dem Unternehmen ausgeschieden. mas
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