Frankreich, Brasilien, USA: Widerstand gegen Googles Marktmacht wächst

Montag, 22. Oktober 2012
Raupe Nimmersatt: Google muss sich derzeit an mehreren Fronten verteidigen
Raupe Nimmersatt: Google muss sich derzeit an mehreren Fronten verteidigen

Google unter Beschuss: Weltweit mehrt sich der Widerstand gegen den Suchmaschinen-Giganten. Während sich die französische Regierung mit Google um einen Gesetzesentwurf streitet, der dem hierzulande geplanten Leistungsschutzrecht relativ nahe kommt, machen über 100 brasilianische Zeitungen einen radikalen Schnitt: Sie ziehen sich komplett aus Google News zurück. Gleichzeitig wird der Ruf nach Regulierung lauter. "Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass Google News uns beim Ausbau unserer Online-Reichweite nicht geholfen hat", sagt Carlos Fernando Lindenberg Neto, Präsident der brasilianischen Verlegervereinigung ANJ, gegenüber dem "Knight Center for Journalism". Im Gegenteil: Lindenberg moniert, dass die Nutzer nur die ersten Zeilen im Google-Suchergebnis durchläsen, anstatt den ganzen Artikel auf den Websites der Zeitungen anzuklicken.

Der "Spiegel" macht mit in dieser Woche einer Geschichte über Google auf
Der "Spiegel" macht mit in dieser Woche einer Geschichte über Google auf
Ein Modell zum finanziellen Ausgleich lehnt Google allerdings in Brasilien wie auch hierzulande ab. Die Kräfteverhältnisse in dem südamerikanischen Riesenstaat sind jedoch andere: Während der Marktanteil von Google News in Brasilien relativ gering sei (Lindenberg), machen die in der ANJ organisierten Medien 90 Prozent des brasilianischen Zeitungsmarktes aus.

Den umgekehrten Verlauf nimmt die Debatte derweil in Frankreich: Dort plant die für "Digitale Ökonomie" zuständige Ministerin Fleur Pellerin, Google für Medieninhalte bezahlen zu lassen, die auf den Seiten der Suchmaschine gefunden werden können. Google lehnt das Gesetzesvorhaben kategorisch ab - und drohte Pellerin im Gegenzug, bei der Realisierung eines solchen Leistungsschutzrechtes französische Zeitungen künftig gar nicht mehr zu listen. Diese Drohung, von französischen Verlegern als "Kriegserklärung" bezeichnet, gelang laut "FAZ" durch eine gezielte Indeskretion an die Öffentlichkeit, führt nun jedoch offenbar dazu, dass sich beide Seiten wieder an einen Tisch setzen.

Gleichzeitig wird der Ruf nach Regulierung lauter: Dass der Weg zu einem fairen Wettbewerb auf Google letztendlich nur über die Politik führen kann, dieser Meinung ist der US-Medienunternehmer John Malone. Im Interview mit dem "Spiegel" spricht sich der Firmenchef des Telekommunikationsunternehmens Liberty Global (unter anderem Unitymedia, Kabel BW) dafür aus, die Marktmacht von Google behördlich zu begrenzen. "Wäre Google eine von sieben Suchmaschinen und hätte einen entsprechenden Marktanteil, dann würde der Wettbewerb schon dafür sorgen, dass es keinen Missbrauch von Marktmacht gibt. Man würde einfach zu einer anderen Suchmaschine wechseln. So ist es aber nicht", klagt Malone. Deswegen rechnet der 71-Jährige mit Kartellverfahren, "wenn nicht in den USA, dann in Europa".

Nun gehen die Kritik der Zeitungsverleger, die mit der Verbreitung ihrer digitalen Inhalte Geld verdienen wollen, und die von Malone, der von Google möglichst prominent platziert werden möchte, prinzipiell in verschiedene Richtungen. Letztendlich aber geht es um Reichweite. Und darum, wie man Googles Freund bleibt, ohne es sich zum Feind zu machen. ire
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