"Frankfurter Rundschau" verwischt mit iPad-App Grenzen zwischen Print und Online

Donnerstag, 23. September 2010
Im Querformat bietet die iPad-App der "FR" Bilder, Videos und Zusatzinfos
Im Querformat bietet die iPad-App der "FR" Bilder, Videos und Zusatzinfos

Die "Frankfurter Rundschau" hat heute ihre iPad-App gelauncht und zeigt, dass man Printinhalte durchaus iPad-tauglich aufwerten kann: Statt langer Ladezeiten gibt es hochwertige Optik und vielfältige Zusatzinformationen. Für 79 Cent pro Ausgabe kann man die aktuelle Ausgabe der "FR" ab sofort sechsmal pro Woche im App Store herunterladen, ein Abonnement soll folgen. Im Editorial erklärt Chefredakteur Rouven Schellenberger, welchen Anspruch die Redaktion an die App stellt: "Wir wollen mit unserem Angebot der Versuchung widerstehen, die Zeitung schlicht auf eine neue Plattform zu kopieren, wie Sie es vielerorts erleben. Wir betrachten Tablet-Computer wie das iPad als neues Medium mit eigenen Stärken und Bedürfnissen." Diesen Anspruch sieht man: Auf der ersten Seite bekommt man die Top-Themen in der Übersicht, ein Klick - und schon springt man zum entsprechenden Artikel. Auch über die einblendbare Navigation am unteren Bildrand oder mit einfachem Durchblättern kann man sich schnell zurechtfinden.

Hält man das iPad hochkant, erinnert das Layout zwar noch sehr an die Printausgabe der Zeitung, dreht man das Gerät jedoch ins Querformat, kommt man in den kompletten Genuss der App. Insgesamt fühlt man sich in dieser Ansicht eher an ein hochwertiges, tagesaktuelles Magazin erinnert als an eine Tageszeitung, von Bleiwüste keine Spur. Stattdessen werden die Texte mit Bildern, Videos und Grafiken angereichert, der Übergang ins Digitale ist auf ganzer Linie gelungen.

Angelehnt an die gedruckte Zeitung ist auch die App nach Ressorts geordnet, neben den klassischen Bereichen Politik und Wirtschaft kommen jedoch auch noch iNews hinzu. Die Inhalte aus den Texten werden digital weitergeführt: Bildergalerien, Grafiken, Zeitreihen, Videos sind direkt in den Text integriert und werden mit einem Klick angezeigt, es wird direkt auf die zeitungseigenen Blogs weitergeführt, Leitartikel und Kolumnen können online diskutiert werden. Der größte Pluspunkt der App: Sie besticht mit großartiger Grafik. Die Bilder sind gestochen scharf, ebenso wie die Videos. Dennoch muss man sich nicht – wie bei einigen anderen Anwendungen – mit langen Wartezeiten herumschlagen, sowohl Grafiken als auch Filme öffnen sich ohne zeitliche Verzögerung.

Für Werbungtreibende bietet die "FR"-App viele Möglichkeiten, auch wenn in der aktuellen Ausgabe nur eine Anzeige zu finden ist: In einem großen Advertorial wird für Jordanien geworben. In dem mehrseitigen Text sind eine Bildergalerie, eine interaktive Landkarte und ein Gewinnspiel, an dem man direkt online teilnehmen kann, integriert.

Ob sich dieses Feuerwerk an digitalen Zusätzen auf Dauer durchhalten lässt oder ob sich die Macher für die erste Ausgabe besonders viel Mühe gegeben haben, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Die "Frankfurter Rundschau" hat jedenfalls eigens für die iPad-App ein Team aus Redakteuren zusammengestellt, das die Inhalte für den Tablet-PC aufbereiten sollen. sw
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