"Frankfurter Rundschau" verhagelt SPD-Medienholding DDVG die Bilanz

Mittwoch, 20. Juli 2011
Die "FR" hat die SPD-Medienholding DDVG viel Geld gekostet
Die "FR" hat die SPD-Medienholding DDVG viel Geld gekostet


Tribut an die Krise: Die SPD-Medienholding Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft (DDVG) rutscht wegen Hilfsaktionen für ihre Zeitungsbeteiligungen in die roten Zahlen. Im vergangenen Jahr musste die DDVG erstmals seit fast 20 Jahren einen Verlust nach Steuern verbuchen; der negative Jahresüberschuss betrug 14,3 Millionen Euro. Zum Vergleich: 2009 gab es noch einen Gewinn von 4,2 Millionen Euro, 2008 gar noch 15,5 Millionen Euro. In diesem Jahr erwartet die Holding wieder einen Jahresüberschuss von 7,1 Millionen Euro. Grund für den Verlust 2010 seien "bilanzielle Maßnahmen" mit einem Volumen von über 23 Millionen Euro, auch, "um die Finanzstruktur einiger Beteiligungsunternehmen zu verbessern", so SPD-Schatzmeisterin und DDVG-Gesellschafterin Barbara Hendricks bei der Bilanzvorstellung in Hamburg. Gemeint sind vor allem Darlehensverzichte und -wertberichtigungen. Nutznießer sei vor allem die "Frankfurter Rundschau" ("FR") gewesen. Die DDVG hält 40 Prozent an der seit Jahren defizitären "FR" (Verlust 2010: angeblich 19 Millionen Euro), die derzeit mal wieder einen harten Sanierungskurs fährt - inklusive Stellenabbau und Zusammenlegung von Redaktionen innerhalb des Hauses M. DuMont Schauberg ("Berliner Zeitung"), das 50 Prozent hält.

Die Darlehensverzichte kann sich die DDVG durchaus leisten, denn ihre Beteiligungserlöse lagen 2010 mit 23,3 Millionen Euro exakt auf dem Niveau von 2009; das Betriebsergebnis (EBITDA) ist sogar leicht von 19,4 Millionen auf 20 Millionen Euro gestiegen. Dahinter stecken indes Umsatzrückgänge bei den DDVG-Beteiligungen, auf die die Verlage mit Sparkursen reagiert haben. Auch wenn die hohe Eigenkapitalquote der DDVG von 63 auf 57 Prozent gesunken ist, kann sich die SPD wie im Jahr zuvor über eine Ausschüttung von 7,7 Millionen Euro freuen. Nach Steuern beträgt der Geldzufluss in die Parteikasse rund 6,5 Millionen Euro.

Will weiter sparen: Jens Berendsen
Will weiter sparen: Jens Berendsen
Ansonsten dominierten auf der Bilanzpressekonferenz mal wieder Moll-Töne: DDVG-Geschäftsführer Jens Berendsen erklärte, dass die Tageszeitungen im Werbemarkt erneut Marktanteile verloren hätten und die Auflagen weiter rückläufig seien. "Die Branche steht weiterhin vor einem Strukturwandel mit Zusammenlegungen weiterer Funktionsbereiche", so Berendsen: "Stabile Ergebnisse können nur durch Kostensenkungsmaßnahmen erreicht werden, dies betrifft vornehmlich die Personalkosten." Bereits im vergangenen Sommer hatte der SPD-Verlagsmanager hier Alarm geschlagen.

Die DDVG ist an rund zehn Tageszeitungsverlagen meist minderheitlich beteiligt, neben der "FR" etwa auch an der "Sächsischen Zeitung" (40 Prozent) und an der Verlagsgesellschaft Madsack (23 Prozent). Hinzu kommen noch Mehrheits- oder alleinige Anteile unter anderem an "Vorwärts", "Öko Test" sowie an Druckereien. rp

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