"Frankfurter Rundschau": Gläubiger lehnen Angebot des türkischen Investors ab - und erhöhen Chancen der "FAZ"

Freitag, 22. Februar 2013
Be der "Frankfurter Rundschau" droht ein Kahlschlag
Be der "Frankfurter Rundschau" droht ein Kahlschlag

Für die große Mehrheit der "FR"-Angestellten tritt wohl der Worst Case ein. Mindestens 340 Mitarbeiter der insolventen Traditionszeitung sollen in eine Transfergesellschaft wechseln, wo sie vorübergehend weiterbeschäftigt werden - und zwar unabhängig davon, welcher der beiden potenziellen Investoren letztlich den Zuschlag für die "Frankfurter Rundschau" erhält. Die Wahrscheinlichkeit, dass die "FAZ" das Rennen macht, ist unterdessen deutlich gestiegen. Wie Ingo Schorlemmer, der Sprecher der Insolvenzverwaltung, gegenüber HORIZONT.NET bestätigt, wurde auch das zweite Angebot des türkischen Konzerns Estetik Yayincilik als nicht akzeptabel bewertet. "Der Gläubigerausschuss hat das nachgebesserte Angebot von Estetik Yayincilik abgelehnt", bestätigt Schorlemmer gegenüber HORIZONT.NET. In einer E-Mail, die am Freitagmorgen an die "FR"-Mitarbeiter verschickt wurde, begründen die Gläubiger ihre Entscheidung mit Zweifeln an der Tragfähigkeit des Konzepts für die "FR". Auch der Kaufpreis sei "weiterhin deutlich zu niedrig".

Damit sind die Chancen, dass die "FAZ" die "Frankfurter Rundschau" übernehmen kann, deutlich gestiegen.  Grund: Das Bundeskartellamt, das die Übernahme der "FR" durch die "FAZ" seit Anfang Februar prüft, will nur dann grünes Licht für die von der "FAZ" geplante "Sanierungsfusion" geben, wenn es keinen "ernsthaften alternativen Erwerber" gibt. Dass Estetik Yayincilik nun bei den Gläubigern durchgefallen ist, könnte die letzten Hindernisse für die "FAZ" aus dem Weg räumen. Zwar bestätigt ein Sprecher des Bundeskartellamts gegenüber HORIZONT.NET, dass das Angebot von Estetik Yayincilik bei der Behörde eingegangen ist und derzeit geprüft wird. Der Sprecher ließ aber durchblicken, dass ein Nein der Gläubiger das  Prüfungsergebnis negativ beeinflussen könne.

Wann genau das Bundeskartellamt sein Entscheidung fällt, ist unklar. Viel Zeit bleibt allerdings nicht mehr. Der Betrieb der "FR" ist nur noch bis Ende Februar gesichert. So oder so gibt es für die Mehrheit der "FR"-Mitarbeiter kein Happy End. Wie Schorlemmer dem Hessischen Rundfunk bestätigte, haben 340 der 450 Beschäftigten der "Frankfurter Rundschau" in dieser Woche ein Vertragsangebot für den Wechsel in die Gesellschaft erhalten. Diese Mitarbeiter würden bei keinem der zurzeit verhandelten Investor-Szenarien übernommen, sagte Schorlemmer.

Als Zeitung wird die "Frankfurter Rundschau" wohl überleben. Die "FAZ" würde den Titel nach HORIZONT.NET-Informationen als eigenständigen Titel mit einer 28-köpfigen Rumpfredaktion weiterführen. Allerdings müssten Teile der Tageszeitung künftig zugeliefert werden. Um die "FR"-Leserschaft nicht zu vergraulen, kommen dafür aber weder die "FAZ" noch die "Frankfurter Neue Presse" infrage, an der die "FAZ" über ihren Mehrheitseigner FAZIT-Stiftung beteiligt ist. Stattdessen soll der Mantelteil von extern zugekauft werden - beispielsweise von der "Berliner Zeitung", mit der die "Frankfurter Rundschau" bereits kooperiert. mas
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