Frank Hoffmann: "Das Hochhaus RTL wurde um das Penthouse gekürzt"

Dienstag, 18. Juni 2013
Frank Hoffmann präsentiert Anfang Juli die neuen Programme von RTL
Frank Hoffmann präsentiert Anfang Juli die neuen Programme von RTL
Themenseiten zu diesem Artikel:

Frank Hoffmann RTL SZ Köln Penthouse Hochhaus Rhein



Am 10. Juli stellt RTL die Programme für die neue Saison vor. Im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" verrät Programmgeschäftsführer Frank Hoffmann zwar noch keine Details, deutet aber an, wohin die Reise geht: Man will in Köln wieder mehr Neues wagen und gezielt mit neuen Formaten experimentieren.
"Wir experimentieren so viel wie selten zuvor", betont Hoffmann. Mit dem "Jenke-Experiment" habe man genau so Neuland betreten wie mit "Cash Crash" und "Unschlagbar". Dass der langjährige Marktführer derzeit aber nicht unbedingt als innovativ wahrgenommen wird, liegt nach Meinung von Hoffmann daran, dass man mit den neuen Programmen noch nicht den durchschlagenden Erfolg gehabt habe: "Wir müssen damit leben, dass Neustarts heutzutage nicht gleich Marktanteile von 20 Prozent und mehr erreichen".

Allerdings räumt Hoffmann auch offen ein, dass am Rhein derzeit nicht alles eitel Sonnenschein ist: "Es läuft hier nicht ganz so, wie wir uns das erhofft hatten. So dramatisch, wie es manchmal dargestellt wird, ist es jedoch auch nicht." In diesem Punkt liegt Hoffmann ganz auf einer Linie mit seiner Vorgängerin Anke Schäferkordt: Die Digitalisierung habe die Senderlandschaft grundlegend verändert, Einschaltquoten wie in den Ausnahmejahren 2010 und 2011 seien daher nur noch schwer erreichbar: "Früher wurde die Senderlandschaft durch wenige Hochhäuser geprägt. Mittlerweile sind viele Bungalows dazugekommen. Und wir müssen ehrlich sein: Das Hochhaus RTL wurde um das Penthouse gekürzt. Das ist weg."

Für den Werbemarkt mache es aber kaum einen Unterschied, ob RTL nun 16 oder 18 Prozent Marktanteil habe - "wir konnten diese zusätzlichen zwei Prozentpunkte am Werbemarkzt nicht ummünzen". Nichtsdestotrotz arbeite man mit Hochdruck daran, wieder einen Skyscraper mit Penthouse zu haben.

Richten sollen es vor allem neu entwickelte Formate - wobei der nächste große Programmtrend derzeit noch nicht in Sicht sei: "Trends im Fernsehen verliefen schon immer wellenförmig. Solche Formate wie sie Ihnen vorschweben, finden Sie momentan auch im internationalen Markt nicht", antwortet er dem gewohnt angriffslustigen Hans Hoff.

Hoffmann Devise lautet daher: Mut zur Veränderung: "Wenn wir immer nur Angst haben, mit dem nächsten Programmstart Schiffbruch zu erleiden, dann wird nicht viel Neues entstehen. Wenn es keine ausländischen Vorbilder gibt, müssen wir den Mut haben, eigene Ideen mit den notwendigen Budgets auszustatten, wenngleich es schon von Vorteil wäre, wenn wir nicht die teuersten Pferde zu Tode reiten. Am besten gar keine." Revolutionäre Umwälzungen im Programm darf man indes nicht erwarten: "Nachlassende Quoten sollen nicht zwangsläufig dazu führen, die Programme vorschnell zu ersetzen. Ruckartige Veränderungen sind Gift für ein Programm. Ein Sender lebt von Sehgewohnheiten." dh
Meist gelesen
stats