France Télécom bietet für Le Monde

Freitag, 11. Juni 2010
Orange bietet um "Le Monde"
Orange bietet um "Le Monde"

Das Bieterrennen um die vom Konkurs bedrohte französische Tageszeitung "Le Monde" geht in die letzte Runde. Bis zum heutigen Freitag, 19 Uhr, müssen der Hausbank der Zeitung Angebote vorliegen. Nun steigt auch die France-Télécom-Tochter Orange in das Bieterrennen ein. Anfang nächster Woche soll der Aufsichtsrat entscheiden, mit welchem der Interessenten vorerst exklusiv verhandelt wird. Das Interesse von Orange überrascht. Der Haupteigner von Orange-Mutter France Télécom ist der Staat. Verschiedene Medien spekulieren nun, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy könne auf diesem Weg versuchen, Einfluss auf den künftigen Partner der 1944 gegründeten Zeitung zu nehmen. Sarkozy fürchte, "Le Monde" könne in falsche Hände fallen, etwa ins Lager seines sozialistischen Gegenspielers Dominique Strauss-Kahn, schreibt die "Süddeutsche Zeitung".

Ähnlich wie beim "Spiegel" halten bislang die Mitarbeiter die Mehrheit an der Le-Monde-Gruppe. Sie bestimmen den Chefredakteur und den Geschäftsführer. Die Gruppe macht jedoch seit Jahren Verluste. Zudem hat sich das Blatt in der Vergangenheit mit diversen Zukäufen übernommen und verschuldete sich dafür mit Krediten in zweistelliger hoher Millionenhöhe. Deren Rückzahlungen werden nun fällig.

Interessiert sind laut "SZ" derzeit neben Orange noch die spanische Prisa-Gruppe, die "El Pais" herausgibt und die schon 15,01 Prozent hält sowie der Unternehmer Claude Perdriel, dem das Nachrichtemagazin "Nouvel Observateur" gehört. Des weiteren tritt ein Bietertrio an, das aus Pierre Bergé, dem Lebenspartner des verstorbenen Modedesigners Yves Saint Laurent, dem Bankier und Strauss-Kahn-Freund Matthieu Pigasse und dem Internetunternehmener Xavier Niel besteht.  pap
Meist gelesen
stats