Fragwürdige Geldanlagen, politisch unkorrekter Auftritt: Neue Vorwürfe gegen den MDR

Montag, 17. Oktober 2011
Der MDR stolpert derzeit von einem Fauxpas zum nächsten
Der MDR stolpert derzeit von einem Fauxpas zum nächsten


Der MDR kommt nicht aus den Schlagzeilen: Kontrolleure des sächsischen Rechnungshofes haben entdeckt, dass der Sender fortwährend gegen seine eigenen Anlagegrundsätze verstoßen hat. Außerdem schwangen Mitglieder des MDR-Fernsehballetts bei der Geburtstagsfeier für den tschetschenischen Machthaber Ramsan Kadyrow das Tanzbein. Der MDR kommt nicht zur Ruhe. Laut "Spiegel" hat der sächsiche Rechnungshof fragwürdige Geldanlagen bei dem öffentlich-rechtlichen Sender ausfindig gemacht, mit denen der MDR gegen seine eigenen Richtlinien vertoßen hat. Zudem soll sich der Sender beim Bau des neuen MDR-Geländes im Süden von Leipzig auf fragwürdige Sale-and-Lease-Back-Finanzierungen eingelassen haben. Laut "Spiegel" habe die Senderspitze den Bau von Gebäuden "dubiosen Fonds" überlassen haben, von denen die Immobilien anschließend zu überteuerten Preisen wieder angemietet wurden. Da der MDR der einzige Partner der Fonds gewesen sei, hätten diese keinerlei Risiko getragen und eine hohe Rendite eingestrichen. Hinter den Fonds standen offenbar reiche Privatinvestoren. Der MDR betont, man habe sich nur "mit Blick auf das Gebot der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit" für eine Leasing-Finanzierung entschieden. Trotzdem will der Verwaltungsrat nun "alles auf den Prüfstand stellen".

Eher moralischer Natur sind dagegen die Vorwürfe gegen das Fernsehballett des MDR: So sind sechs Tänzer der bekannten Revuetruppe beim 35. Geburtstag des tschetschenischen Machthabers Ramsan Kadyrow aufgetreten. Gegen den Politiker stehen schwere Vorwürfe wegen Menschenrechtsverletzungen im Raum. Das Fernsehballett war von dem Zauberkünstler Jan Rouven für den Auftritt enegagiert worden und mit diesem in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny aufgetreten. Die Engagement sei zwar innerhalb des Balletts diskutiert worden, allerdings vor allem wegen möglicher Sicherheitsgefahren für die Tänzer, sagte der Geschäftsführer des MDR-Fernsehballetts Bodo Bergamann der "Bild am Sonntag". Einige Tänzer hätten die Reise auch abgelehnt.

Immerhin befand sich das MDR-Fernsehballett bei ihrem umstrittenen Auftritt in guter Gesellschaft: Auch die Schauspieler Hilary Swank, Kevin Costner, Jean-Claude van Damme, Sänger Seal und die Star-Geigerin Vanessa Mae waren vor Ort. Allein die kolumbianische Sängerin Shakira hatte einen Auftritt für Kadyrow offiziell abgelehnt. Swank hat sich für ihr Geburtstagständchen in Grosny inzwischen öffentlich entschuldigt. dh
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