"Fräulein" grenzt sich von etablierten Marken ab

Donnerstag, 18. November 2010
Braves Cover, bunter, schräger und moderner Inhalt
Braves Cover, bunter, schräger und moderner Inhalt

In braver Schulmädchenschrift prangt der Schriftzug "Fräulein" auf dem Cover. Und auch das Covergirl Ambra Medda blickt verträumt vom Umschlag der Frauenzeitschrift herab. Der erste Eindruck sollte jedoch nicht täuschen. Im Inneren präsentiert sich das jüngste Projekt des Off One's Rocker Verlag alles andere als brav und langweilig. "Fräulein", auch wenn der Name altmodisch klingt, richtet sich an junge, unverheiratete Frauen, die sich für Mode, Kultur und Lifestyle interessieren. Und schon die Inhaltsübersicht macht deutlich: "Fräulein" ist anders. Bunt, verspielt und unkonventionell werden die Themen in Szene gesetzt. Statt klarer Strukturen findet sich ein geordnetes Chaos, das dennoch einen guten ersten Überblick verschafft und Lust macht gleich weiter zu blättern.

Der moderne und im wahrsten Sinne des Wortes "schräge" Stil zieht sich durch das gesamte Magazin. Hat man sich an den Buchstabensalat der Überschriften erst einmal gewöhnt, versprühen sie einen gewissen Charme. Das ist aber nicht jedermanns Sache. Ähnlich verhält es sich mit den Anreißertexten. Statt einer kurzen Inhaltsangabe werden einige Rubriken mit Film- und Buchzitaten oder Zitaten von Berühmtheiten angekündigt. Von der Idee her gut, lassen die Zitate den Leser leider teilweise etwas ratlos zurück. Der Inhalt erschließt sich oft erst nach der Lektüre.

Inhaltlich hat "Fräulein" einen hohen Anspruch an sich selbst. Chefredakteur Götz Offergeld sieht "Fräulein" als "eine Mischung aus klassischem Frauenmagazin und Fanzine. Mit viel Leidenschaft fürs Detail." Dabei will sich die Zeitschrift jedoch von den etablierten Marken abgrenzen. Kein Promiklatsch, kein Tratsch, keine Wie-lebe-ich-mein-Leben-richtig Ratgeber. Und dennoch kommt keines der klassischen Frauenthemen wie Mode, Trends, Musik und Liebe zu kurz.

Das Themenspektrum ist weit gefächert. So erzählt zum Beispiel eine Reportage über die Frau eines Selbstmordattentäters, ein intelligenter Artikel versucht die Kunst von Astrid Klein zu analysieren und eine literarische Kurzgeschichte erzählt vom Heiraten. Interviews, Hintergrundartikel und kürzere Artikel über Musik und Liebe runden das Spektrum ab. Den Interviews fehlen jedoch teilweise bissige und tiefer gehende Fragen und zeigen wohl eher die zahmere Seite von "Fräulein". Verrückt und dennoch unheimlich spannend dagegen ist die Bilderstrecke "Clowns", die mit Mode experimentiert. Insgesamt hat jede Bilderstrecke etwas Besonderes, und will so gar nicht dem Prinzip der klassischen Modestrecke entsprechen.

Mit einer Auflage von 50.000 Exemplaren fängt "Fräulein" vorsichtig an und erscheint zunächst auch nur alle zwei Monate. Mit 2 Euro liegt sie im normalen Preisumfeld der Frauenzeitschriften. Ob sich das doch eher spezielle "Fräulein" auf dem Markt und gegen die etablierten Formate wie "Cosmopolitan", "Gala", "Glamour" und Co behaupten kann, wird sich noch zeigen. mb
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