Fotolia-Chef Oleg Tscheltzoff: "Die Praxis von Google ist nicht zufriedenstellend"

Freitag, 05. April 2013
Fotolia-Chef Oleg Tscheltzoff plädiert für ein starkes Urheberrecht
Fotolia-Chef Oleg Tscheltzoff plädiert für ein starkes Urheberrecht


Vor zwei Wochen hat der Bundesrat in Deutschland das umstrittene Leistungsschutzgesetz beschlossen. Gegen den erbitterten Widerstand der Internetgemeinde, Wirtschafts- und Journalistenverbänden sowie Rechtsexperten bekamen Verlage am 22. März das Recht zugesprochen, von News-Aggregatoren und Suchmaschinen wie Google für die Verwendung ihrer Artikel im Internet Lizenzgebühren verlangen zu dürfen. Während sich im Netz Unsicherheit breit macht, wirbt Oleg Tscheltzoff, Mitgründer der Bildagentur Fotolia, im Gespräch mit HORIZONT.NET um Verständnis für die Printkollegen: Dem Urheber muss immer das Recht vorbehalten werden, über die Verbreitung seines Werkes selbst zu entscheiden."
Der Mitgründer der Bildagentur, die in ihrer internationalen Datenbank lizenzfrei Fotos, Grafiken und Videos zur Verfügung stellt, ist vom neu installierten Gesetz nicht direkt betroffen, Diskussionen und Rechtsstreitigkeiten zum Urheberrecht hat er jedoch schon zu Genüge ausgetragen. Und auch der Feind ist derselbe: der Suchmaschinenriese Google. Die Kennzeichnung von Bildern ist momentan noch ungenügend umgesetzt beziehungsweise nicht prominent genug platziert. "Obwohl es keinen großen Aufwand bedeuten würde, hier Abhilfe zu schaffen", klagt Tscheltzoff im Interview.

"Illegale Nutzung ist ein veritables Problem"

Herr Tscheltzoff, wie beurteilen Sie das nun geltende Leistungsschutzrecht für Presseverlage aus einer Position heraus, die zunächst nicht unmittelbar davon betroffen ist?
Wir sind mit vergleichbaren Herausforderungen konfrontiert. Die illegale Verwendung urheberrechtlich geschützter Bilder, die über das Internet zugänglich sind, ist ein veritables Problem - nicht nur für unsere Kontributoren sondern für jeden, der mit dem Verkauf von selbstproduziertem visuellen Content Geld verdienen möchte. Natürlich ist es immer ein schmaler Grat für die Politik, hier geeignete Maßnahmen zu finden. Schließlich ist das Prinzip des Teilens einer der zentralen Wesenszüge des Internets und sollte nicht leichtfertig eingeschränkt oder erschwert werden. Aber kreative Werke wie Fotos und die Rechte ihrer Urheber benötigen einen effektiven Schutz und können der Allgemeinheit nicht ohne Gegenleistung zur Verfügung gestellt werden. Dem Urheber muss immer das Recht vorbehalten werden, über die Verbreitung seines Werkes selbst zu entscheiden. Wenn er ein Bild zum Beispiel über Fotolia vertreiben möchte, muss das respektiert werden und darf nicht von Dritte in Frage gestellt werden.

Können Sie die Argumente der Verleger nachvollziehen? Gibt es ähnliche Urheberrechtsprobleme mit Fotos im Netz?
Zumindest kann ich das Bestreben deutscher Verleger nachvollziehen, wirkungsvolle Mechanismen zu finden, um ihre intellektuellen Leistungen angemessen zu schützen, in diesem Fall die Artikel ihrer Redakteure. Aber man muss natürlich auch anerkennen, dass Suchmaschinen wie Google praktisch die zentralen Knotenpunkte des Netzes sind und das Surfverhalten der Nutzer stark beeinflussen. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass die Online-Auftritte deutscher Medien davon profitieren, dass Google mittels Vorschau-Ansichten der Artikel die Nutzer auf ihre Portale lotst. Das gilt für die Suche nach Bildern im Prinzip genauso - mit dem Unterschied, dass ein Foto anders als ein Artikel nicht in einem Ausschnitt sondern immer nur komplett dargestellt werden kann. Wenn die Nutzer dank Google auf ein Foto bei Fotolia aufmerksam werden, sie dann unsere Seite besuchen und das Bild kaufen, ist das völlig in Ordnung. Aber wenn sie das Bild einfach von Google herunterladen und verwenden, verletzen sie die Rechte unserer Kontributoren und schaden damit auch uns. Das Einstellen eines Bildes bei Fotolia ist eine bewusste Aktion vor dem Hintergrund, es zu verkaufen. Wer es verwenden möchte, muss die Lizenz dafür erwerben, wie bei jedem anderen Produkt auch. Man kann es so zusammenfassen: Ansehen ist okay, freies Benutzen nicht.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Google gemacht?
Vorschaubilder oder die Darstellung eines Fotos in einer Sammelübersicht wie bei Google sind kein Problem - solange die Herkunft des Bildes klar ausgewiesen und transparent ist. Aber gerade in diesem Punkt ist die Praxis von Google nicht zufriedenstellend für uns und unsere Mitglieder. Die Kennzeichnung von Bildern ist momentan noch ungenügend umgesetzt beziehungsweise nicht prominent genug platziert. Obwohl es keinen großen Aufwand bedeuten würde, hier Abhilfe zu schaffen. Wir haben beispielsweise vor Kurzem eine Übereinkunft mit Pinterest getroffen und nehmen nun an ihrem Attributierungsprogramm teil: Damit ist die Quelle beziehungsweise der Urheber jedes Fotolia-Bildes, das bei Pinterest eingestellt wird, eindeutig zu erkennen. Das ist eine Lösung, die ich auch gerne bei Google sehen würde. kl
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