Foht und kein Ende: MDR-Affäre weitet sich aus

Freitag, 02. September 2011
Der Fall Foht hält die ARD in Atem
Der Fall Foht hält die ARD in Atem
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Der MDR kommt wegen der Affäre um seinen ehemaligen Unterhaltungschef Udo Foht einfach nicht zur Ruhe, die Schwestersender aus der ARD blieben von dem Skandal jedoch bislang unberührt. Bislang. Denn nun beschäftigt das dubiose Geschäftsgebahren Fohts offenbar auch den SWR, wie die "Welt" berichtet. So war Foht nicht nur als Berater für die Redaktion der SWR-Sendung "Immer wieder sonntags" tätig. Der gut bezahlte Manager war scheinbar auch mit einem Beratervertrag bei der Produktionsfirma von Werner Kimmig ausgestattet, der die Unterhaltungssendung im Auftrag des SWR produziert. Kimmig hatte zudem Foht einst finanziell aus der Patsche geholfen, indem er 10.000 Euro an einen Berliner Musik-Manager überwies, bei dem Foht in der Kreide stand.

Wie die "Welt" berichtet, hat sich mittlerweile auch SWR-Intendant Peter Boudgoust zu Wort gemeldet: Dieser erklärte in einem Schreiben an den Verwaltungs- und Rundfunkrat, das der Tageszeitung vorliegt,  dass "Herr Foht gleichzeitig die Produktionsfirma Werner Kimmig GmbH beraten und dafür nach Auskunft von Herrn Kimmig ein einmaliges Honorar von 10.000 Euro erhalten" habe. Gegenüber Kimmig habe Boudgoust absolute Transparenz eingefordert und weitere Konsequenzen nicht ausgeschlossen.

Mittlerweile treibt die Affäre merkwürdige Blüten: In einem früheren Bericht hatte die "Welt" bereits gemutmaßt, dass der MDR-Intendant Udo Reiter seit längerem über die Machenschaften seines Unterhaltungschefs informiert war. Angeblich hatte sich jener Medienmanager, den Kimmig schließlich auszahlte, schon im Jahre 2009 bei Reiter über die ausstehenden Zahlungen Fohts beschwert.

Dieser Bericht führte schließlich zum vorläufigen Höhepunkt in der immer mehr an eine Seifenoper erinnernden Affäre: Vor wenigen Tagen sah sich Reiter genötigt, einen gepfefferten Brief an Welt-Chefredakteur Jan-Eric Peters zu schreiben. Grund: Die Tageszeitung hatte in dem Artikel erstmals den Namen Werner Kimmig genannt. Alle weiteren Inhalte waren jedoch bereits an anderer Stelle veröffentlicht. Für Reiter Grund genug, aufgrund der "aufgewärmten" Fakten der "Welt"-Redaktion süffisant eine "journalistische Meisterleistung" zu attestieren. Die Inhalte des Artikel reichten "nicht für eine größere Geschichte" aus, stattdessen würde auf Mutmaßungen zurück gegriffen. "Das geht nach Lage der Dinge nur mit 4 x 'vielleicht', 1 x 'möglicherweise', 4 x 'könnte', 1 x 'dürfte', 1 x 'wohl', 4 x 'angeblich'", schreibt Reiter. (Das ganze Schreiben Reiters finden Sie hier als PDF) Die "Welt" wird das nicht davon abhalten, den Fall weiterhin kritisch zu beleuchten. Möglicherweise. ire
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