"Focus" wehrt sich gegen Vorwürfe von Condé-Nast-Chef Bernd Runge

Mittwoch, 12. Mai 2004
Unter Druck: Bernd Runge
Unter Druck: Bernd Runge

"Focus" weist die Darstellungen von Bernd Runge, Geschäftsführer und Herausgeber von Condé Nast Deutschland, zurück. Der 43-Jährige hatte sich in einem offenen Brief an "Focus"-Chef Helmut Markwort über den Artikel in dem Münchner Nachrichtenmagazin, der seine Vergangenheit als Stasi-Informant offenlegt, beschwert und seine Position dargelegt. "Focus" betont, dass stets journalistisch sauber gearbeitet wurde. Der offene Brief von Runge sei "in Wahrheit das Gegenteil von offen, sondern ein dreister Versuch, Tatsachen zu verdunkeln, zu vernebeln und zu verschleiern".

Runges Versuch, so "Focus", seinen Spitzeljob mit der Bemerkung zu verharmlosen, "jeder DDR-Angestellte unabhängig von Branche und Job" hätte Berichte anfertigen müssen, klagt das Nachrichtenmagazin an. Mit diesem Satz wolle Bernd Runge seine IM-Tätigkeit quasi als Massenschicksal verharmlosen. Tatsächlich, so "Focus", habe er zu den Auserwählten im Unrechtssystem DDR gehört, die sich als IM haben registrieren und immer wieder bezahlen ließen. Runge könne sich auch nicht als verführter Jugendlicher stilisieren. Zwar habe er schon als 20-jähriger Student in Moskau laut MfS-Unterlagen Personeneinschätzungen von Mitstudenten geliefert, aber der IM Olden sei 28 Jahre alt gewesen und habe sich Diplom- Journalist genannt, als er von Budapest aus gegen Geld Bekannte und Unbekannte ausschnüffelt habe. Runge bestreitet diesen Kernvorwurf nicht, versuche aber davon abzulenken.

Unwahr, sei es auch, so "Focus", dass es zu keiner Zeit ein Gesprächsangebot gegeben habe. Vielmehr habe der Autor Jan von Flocken zwei Faxe an zwei verschiedene Verlagsadressen von Condé Nast geschickt, ohne eine Antwort zu erhalten. Andere "Focus"-Redakteure hätten Condé-Nast-Mitarbeiter telefonisch gebeten, Bernd Runge dringend zu kontaktieren. Der Autor habe zudem am Freitag gegen 18.45 Uhr auf Runges Funktelefon angerufen und seine Ehefrau erreicht. Nachdem er sich als "Focus"-Mitarbeiter vorgestellt habe, hätte er im Hintergrund ein auffälliges Getuschel gehört. Danach hätte Frau Runge behauptet, dass ihr Mann gerade am anderen Telefon sei und nicht mit ihm reden könne. Seine Frage, wann denn ein Anruf passend sei, wäre mitten im Satz durch Abschalten des Telefons unterbrochen worden. Eine Minute später sei nur noch die Mailbox zu erreichen gewesen. sch
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