"Focus": Was Mediaplaner jetzt von Uli Baur erwarten

Donnerstag, 04. August 2011
Unter Beobachtung der Mediaplaner: "Focus"-Chefredakteur Uli Baur
Unter Beobachtung der Mediaplaner: "Focus"-Chefredakteur Uli Baur

Im HORIZONT.NET-Interview hat „Focus"-Chefredakteur Uli Baur am gestrigen Mittwoch erstmals erläutert, wie er „Focus" nach dem plötzlichen Abgang von Co-Chefredakteur Wolfram Weimer wieder in die Spur bringen will. Nun haben wir die Mediaplaner gefragt, was sie vom neuen Allein-Chefredakteur erwarten. Wie beurteilen also die Mediaplaner, die maßgeblich über die Werbeumsätze des „Focus“ bestimmen, dass der einstige Hoffnungsträger geschasst wurde? Hatten sie Veränderungen im Heft bemerkt? Und inwieweit glauben sie, dass Burda und der verbliebene Chefredakteur Uli Baur den jüngsten Kurs beibehalten? Fünf Mediaplaner stehen Rede und Antwort. rp

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Andreas Bahr, Geschäftsführender Gesellschafter, Mediaplus
Weimer hatte beim „Focus“ die notwendige Zeitenwende eingeläutet: Das Heft zeigte mehr Haltung, bezog Stellung – man hat wieder über den „Focus“ geredet. Wenn Burda jetzt angeblich an diesem Kurs festhalten will, frage ich mich, warum Weimer dann überhaupt gehen musste. Deshalb habe ich die Sorge, dass Burda und Chefredakteur Baur den Weg von Weimer eben nicht fortsetzen und zurückkehren könnten zum reinen Nutzwert-Journalismus. Das wäre aber nicht mehr zeitgemäß für Print und daher sehr problematisch für das Heft.
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Boris Schramm, Managing Director, Group M Competence Center
Ich habe keinen Zweifel daran, dass der „Focus“ den von Wolfram Weimer begonnenen Relevanz-Kurs weiterverfolgt. Alles andere wäre das Ende des Titels. Die Herausforderung für den „Focus“ ist nun, auch im Werbemarkt glaubhaft zu erklären und zu belegen, dass Weimers inhaltlicher Kurs fortgesetzt wird.
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Marco Dörper, Media Director, Zenithmedia
Der „Focus“ hat sich unter der Ägide von Wolfram Weimer inhaltliche Tiefe und damit Konkurrenz zum „Spiegel“ auf die Fahne geschrieben. Die Handschrift Wolfram Weimers ist deutlich zu erkennen. Der „Focus“ hat begonnen, sich wieder als meinungsbildendes und Debatten anstoßendes Magazin zu positionieren.

Ein neues Heftkonzept wird durch den Chefredakteur maßgeblich getrieben. Jedoch stellt sich vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse um die Protagonisten die Frage, wie groß der Erneuerungswunsch wirklich ist.

Auch wenn aus dem Hause Burda zu vernehmen ist, dass der von Weimer begonnene Weg der inhaltlichen Erneuerung mit aller Konsequenz weiterverfolgt werden soll, bleibt offen, inwieweit man darauf vertrauen kann, dass gerade eine Rückbesinnung auf alte Tugenden – zumindest in personeller Hinsicht – dieser Konsequenz Rechnung trägt.
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Oliver G. Miller, CEO, Starcom MediaVest Group
Leider verliert die für den „Focus“ so wichtige Neupositionierung durch den Weggang von Wolfram Weimer an Momentum. Man stellt sich zwangsläufig die bange Frage, ob der „Focus“ wieder verzweifelt versuchen wird, mit dem Internet zu konkurrieren. Man kommt leider nicht um den Verdacht herum, dass man dem „Focus“ nicht ausreichend Zeit geben wollte, sich neu zu etablieren. Ein Zurück zu „New to use“ wäre fatal. Ein Kommunikationsproblem hat „Focus“ nun in jedem Fall – das ist Fakt.
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Dirk Honert, Managing Director, Opera/Omnicom Media Group
Die Veränderungen des Hefts waren durchaus erkennbar, eine ganz klare Positionierung jedoch noch nicht. Das war sicherlich auch ein Ergebnis der internen Differenzen über die zu verfolgende Strategie. Die Glaubwürdigkeit eines Titels mit der Personalie Weimer zu verbinden, scheint etwas hoch gegriffen.

Weimers Kurs wird nicht 1:1 beibehalten werden, da wird der nun alleinige Chefredakteur eigene Akzente setzen wollen und müssen. Ich hoffe, dass Herr Baur für den „Focus“ ein klares Konzept entwickelt, das beim Leser ankommt und dadurch zu einer positiven Auflagenentwicklung führt. Nur so kann der „Focus“ auch für Werbekunden relevant bleiben.
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