Focus-Geschäftsführer Müller wird Chef vom Institut für Medien- und Konsumentenforschung

Freitag, 09. Juli 2010
Frank Michael Müller
Frank Michael Müller

Frank Michael Müller wird Chef der neuen Burda-Firma Institut für Medien- und Konsumentenforschung. Seinen Job als Geschäftsführer des Focus-Verlags wird er nach HORIZONT.NET-Informationen am 1. Oktober niederlegen. Sein Nachfolger: Philipp Welte. Der Burda-Vorstand wird sich dann nach HORIZONT.NET-Informationen persönlich um die Geschicke des „Focus“-Verlags kümmern. Gegenüber der Fachzeitschrift „werben und verkaufen" dementiert Burda die Informationen von HORIZONT.NET: Welte werde nicht zusätzlich Müllers Aufgaben bei „Focus" übernehmen. Auch beim Fachdienst "meedia" ist von einer „Doppelbelastung" Müllers die Rede. Im Klartext: Müller wird zwar Geschäftsführer von Burdas Institut für Medien- und Konsumentenforschung, sonst aber ändert sich nichts. Unternehmenskenner halten eine solche Konstellation allerdings für höchst unwahrscheinlich. Welche Version die richtige ist - die offizielle von Burda oder die von HORIZONT.NET - wird sich spätestens im Oktober zeigen, wenn Burdas Marktforschungsinstitut offiziell an den Start geht.

Das Institut für Medien- und Konsumentenforschung soll laut Verlag die Forschung auf jenen Gebieten vorantreiben, die für die Gattung insgesamt relevant sind, dazu gehören unter anderem die Studien "Typologie der Wünsche" und "Communication Networks". Auch werde es das VDZ-Werbewirkungs-Projekt Ad Impact Monitor "maßgeblich unterstützen." Gesellschafter des Unternehmens, das seinen Sitz außerhalbs München haben wird, ist zu 100 Prozent Burda. Angesiedelt ist das Institut als Tochter der Marktforschungsunit Media Market Insights.

Doch das wird vermutlich nicht lange so bleiben. Müller wird nicht exklusiv für Burda arbeiten, sondern die Dienste des Unternehmens auch anderen Verlagen und Kunden anbieten. Neben speziellen Themen steht auch Gattungsmarketing auf der Agenda - und dabei ist der Schulterschluß mit anderen Verlagen natürlich hilfreich. Keine Überraschung wäre es auch, wenn sich neben anderen Medienhäuser zunächst Müller selbst an dem Institut beteiligen würde - schließlich gilt er als geistiger Vater des Geschäftskonzepts.

Müller, der als enger Verbündeter des im Herbst scheidenden Chefredakteurs Helmut Markwort gilt, ist seit November 2004 Geschäftsführer des Focus Magazin-Verlags. In der Zeit 2001 bis 2004 übernahm er zusätzlich die Position des Verlagsleiters „Focus" und die des stellvertretenden Verlagsleiters „Focus Money". Seinen Einstieg im Münchner Verlagshaus gab der heute 50-Jährige im Jahr 1999 als Anzeigenleiter. Zuvor durchlief er in den Jahren 1979 bis 1999 verschiedene Stationen im Verlagsleitungsbereich des Bastei-Verlag.Zuletzt machte das Nachrichtenmagazin Negativ-Schlagzeilen durch umfangreiche Stellenstreichungen. 280 Mitarbeitern des Verlags - ausgenommen „Focus Money" und „Focus Schule" - wurde ein Abfindungsangebot vorgelegt. Grund seien die Medienkrise und damit verbundene starke Anzeigenrückgänge hieß es in einem Schreiben.

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Dabei hatten Herausgeber Helmut Markwort und Müller noch am Jahresanfang versucht, das Ruder herumzureißen und das Nachrichtenmagazin überarbeitet: Weniger weiche und Service-Themen, stattdessen mehr harte News lautete die Devise. Wolfram Weimer, ab 1. Juli ebenfalls Chefredakteur von "Focus", plant weitere Veränderungen in dieser Richtung, um das Nachrichtenmagazin klarer gegen den „Spiegel" positionieren. Das ist auch dringend nötig: Überzeugten die ersten Hefte nach dem Relaunch noch Leser und Experten, hat "Focus" unter Co-Chefredakteur Uli Baur zuletzt wieder spürbar an Biss verloren.

Zumindest bei den IVW-Zahlen fürs 1. Quartal konnte der Relaunch noch keinen weiteren Einbruch verhindern: Die Verkäufe sanken um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 587.582 Exemplare - allerdings zählen dazu auch eine Reihe unrentabler Abos auch Bordexemplare, von denen sich Müller getrennt hatte. Im Einzelverkauf erzielte das Heft, das seinen Copypreis ab Ausgabe 21 um 30 Cent auf 3,50 Euro erhöht hat, laut IVW zuletzt 118.568 verkaufte Exemplare (Heft Nummer 22). Am besten schnitt seit der Überarbeitung die Ausgabe 10/2010 mit dem Cover-Titel „Die Burnout-Gesellschaft" ab. js/se
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