"Focus"-Chefredakteur Uli Baur: "Die Stimmung ist übrigens glänzend"

Mittwoch, 03. August 2011
Will Kurs fortsetzen: Uli Baur Foto: Burda Media
Will Kurs fortsetzen: Uli Baur Foto: Burda Media
Themenseiten zu diesem Artikel:

Focus Uli Baur Wolfram Weimer Abgang Philipp Welte


Eine Woche nach dem plötzlichen Abgang von Wolfram Weimer aus der „Focus"-Chefredaktion meldet sich Allein-Chefredakteur Uli Baur zu Wort. Im Exklusiv-Interview mit HORIZONT.NET erläutert Baur erstmals seine Pläne: „Wir werden uns auch in Zukunft für den Wettbewerber interessieren, aber wir werden uns nicht über ihn definieren." Mit dem Schlagwort „Relevanz, Relevanz, Relevanz" hatte die Doppelspitze Weimer/Baur in den vergangenen 12 Monaten eine Neu-Positionierung des „Focus" versucht. Kehrt das Magazin mit dem Allein-Chefredakteur Uli Baur nun wieder zu den „Fakten, Fakten, Fakten" und den „News to use" zurück?
Nein, wir setzen unseren eingeschlagenen Kurs fort. Ein Nachrichtenmagazin lebt von Relevanz und Fakten - das ist kein Widerspruch, im Gegenteil. Dass wir dem Leser aber auch ganz pragmatisch Orientierung für seine eigene Lebenswirklichkeit bieten, zeichnet „Focus" aus.

Verlagsvorstand Philipp Welte hat betont, auch nach der Trennung von Wolfram Weimer den „Kurs der inhaltlichen Erneuerung" fortzusetzen. Wie interpretieren Sie diese Vorgabe?
Das ist keine Vorgabe, sondern Konsens. Ein journalistisches Produkt muss immer verbessert und weiterentwickelt werden. Das werden wir machen. Die Redaktion hat auch in der unruhigen vergangenen Woche hoch motiviert und richtig hart gearbeitet. Die Stimmung ist übrigens glänzend.

Dennoch: Der Versuch, „Focus" als politisch konservativ-intellektuellen Anti-Spiegel zu etablieren, kann als gescheitert betrachtet werden. Wie wird sich „Focus" künftig positionieren?
Da ist gar nichts gescheitert. Vielleicht passt das Wort „intelligent" aber besser zu „Focus" als „intellektuell". Ich lege besonders viel Wert auf recherchierte Geschichten, kluge und einordnende Beiträge von Gastautoren werden Sie aber auch in Zukunft bei uns lesen und genießen können. „Focus" war immer ein sehr selbstbewusstes Nachrichtenmagazin, das seinen eigenen Stil gefunden hat. Wir werden uns auch in Zukunft für den Wettbewerber interessieren, aber wir werden uns nicht über ihn definieren. „Focus" ist „Focus"!

Sie gelten als exzellenter Blattmacher, der die Außendarstellung gerne anderen überlässt. Wer wird künftig die Rolle des „Focus"-Außenministers übernehmen? Das Wichtigste ist das Produkt, dafür wende ich in der Tat die meiste Energie auf. Der Job als Außenminister ist mir aber auch nicht fremd. Im vergangenen Jahr habe ich sehr oft bei Agenturen präsentiert - und zwar die Geschichte vom authentischen, echten „Focus", der von einer tollen Redaktion gemacht wird, die den Erfolg unbedingt will. Es steht fest, dass wir jetzt keine Repositionierung vornehmen werden.


Der Einzelverkauf stieg im zweiten Quartal 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 Prozent auf knapp über 120.000 Exemplare - auch dank zahlreicher Marketingaktivitäten - DVD-Beilage, 1-Euro-Heft. Werden diese fortgesetzt?
Wir haben drei Quartale in Folge den Einzelverkauf gesteigert. Das ist ein toller Erfolg, nicht nur für die Redaktion, sondern auch für das gesamte Management! Die Jubiläumsausgabe für einen Euro erschien bereits im ersten Quartal 2011. Und DVD-Beilagen werden übrigens auch von unseren Hamburger Kollegen gerne eingesetzt. vs
Meist gelesen
stats