"Focus"-Chef Müller: "Es gibt keinen Relaunch" / Netto-Werbeerlöse sanken 2009 um 30 Prozent

Donnerstag, 14. Januar 2010
"Focus"-Chef Frank-Michael Müller: "Wir schreiben keine roten Zahlen"
"Focus"-Chef Frank-Michael Müller: "Wir schreiben keine roten Zahlen"

Am 25. Januar erscheint der mit Spannung erwartete neue "Focus". Im Interview mit HORIZONT.NET bemüht sich Geschäftsführer Frank-Michael Müller, die Messlatte nicht allzu hoch zu hängen: "Es gibt keinen Relaunch", sagt Müller, der lieber von einer "Weiterentwicklung" des Magazins spricht, das in Kürze unter dem Motto „Entdecken Sie die neuen Seiten von Focus" beworben wird. Gerüchte, wonach "Focus" 2009 rote Zahlen geschrieben habe, dementiert Müller deutlich: "Wer etwas anderes behauptet, erzählt die Unwahrheit", erklärt Müller im nachfolgenden Interview. Für 2010 rechnet der "Focus"-Manager mit sinkenden Werbeerlösen zwischen 5 und 10 Prozent.


Herr Müller, laut IVW ist die Auflage des „Focus" im vierten Quartal auf knapp 580.000 Exemplare gefallen. Schlimm?

Gar nicht schlimm, sondern alles im Plan. Erinnern Sie sich an unser ausführliches Interview im Juli 2009. Meine Aussage war damals, dass wir die 600.000 reißen werden. Und warum? Weil wir uns ganz konsequent von den unwirtschaftlichen Bestandteilen unserer Auflage verabschiedet haben. Ich habe Ihnen damals auch gesagt, dass unser Weg Schule machen wird. Und wenn man sich jetzt in der Branche so umschaut, scheint genau das auch zu passieren.


Dennoch: Wenn man bestimmte Grenzen in der Auflage reißt, ist das keine schöne Sache.
Glauben Sie mir: Es wäre ein Leichtes gewesen, mit gezielten Aktionen den Einzelverkauf über 100.000 und die Gesamtauflage über 600.000 zu halten. Tatsächlich habe ich noch im Dezember eine große Sonderverkaufs-Aktion abgelehnt. Das wären 300.000 Hefte gewesen. Aber wir ziehen da eine klare Linie. Was ich im vergangenen Jahr angekündigt habe, halte ich auch.

Ein paar preisaggressive Abo-Aktionen von „Focus" sind aber schon noch am Markt zu sehen...
Abo-Aktionen mit Partnern wird es immer geben - aber nur solche, die wirtschaftlich und strategisch Sinn machen. Wenn jetzt Apple käme, um mit uns über eine Aktion im Zusammenhang mit dem neuen Tablet oder iPhone zu sprechen, wären wir natürlich nicht prinzipiell abgeneigt. An unserer grundsätzlichen Strategie ändert das aber doch überhaupt nichts. Einen Abo-Prämien-Wettbewerb wird es bei uns nicht mehr geben.

Frank-Michael Müller: Wenn jetzt Apple käme, um mit uns über eine Aktion im Zusammenhang mit dem neuen Tablet oder iPhone zu sprechen, wären wir natürlich nicht prinzipiell abgeneigt.“

Wie groß ist Ihre Sorge, dass „Focus" weiter Auflage verliert?
Ich rechne damit, dass sich die Auflage in diesem Jahr stabilisiert.

Lassen Sie uns über den Focus-Relaunch sprechen, den Sie am 25. Januar präsentieren werden.
Es gibt keinen Relaunch.

Wie bitte?
Wir haben intern nie von einen Relaunch gesprochen, sondern von einer Weiterentwicklung. Wenn Sie die vergangenen Wochen „Focus" aufmerksam gelesen haben, werden Ihnen bereits eine Menge Veränderungen aufgefallen sein. Mit dem Heft am 25. Januar folgt jetzt noch einmal ein größerer Schritt. Aber, noch einmal: Das ist kein Relaunch.

Angeblich wollten Sie doch für den neuen Auftritt 20 Millionen Euro Marketingbudget locker machen.
Diese Zahl ist kompletter Schwachsinn. Richtig ist: Wir haben im 4. Quartal unsere Werbemaßnahmen massiv zurückgefahren und wollen sie jetzt wieder auf ein „Focus"-übliches Niveau anheben.

Das wie hoch ist?
Etwas höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Aber es wird eine Kampagne geben?
Ja. Der Slogan lautet „Entdecken Sie die neuen Seiten von Focus". Dieses Motto werden Sie bei all unseren Kommunikationsmaßnahmen sehen, das betrifft auch die TV-Spots. Einen starken Schwerpunkt legen wir auf Direktmarketing. Wir haben Tausende von Adressen von ehemaligen Abonnenten. Die werden wir für gezielte Aktionen nutzen.

Wie kommt der Relaunch, Verzeihung, die Weiterentwicklung von Focus bei Kunden und Mediaagenturen an?
Wir haben auf eine aufwändige Roadshow verzichtet, unser Konzept aber natürlich ausgewählten Kunden und Agenturen präsentiert. Mit der Resonanz sind wir sehr zufrieden.

„Spiegel" und „Focus" haben 2009 brutal Anzeigenerlöse verloren. Wie hoch ist das Minus bei Ihnen?
Unsere Netto-Werbeerlöse sind um 30 Prozent zurückgegangen. Und um gleich Ihre nächste Frage vorwegzunehmen: Nein, wir schreiben keine roten Zahlen. Weder das Magazin noch die Focus GmbH. Wer etwas anderes behauptet, erzählt die Unwahrheit.

Werden die Werbeerlöse 2010 weiter sinken?
Damit muss man wohl rechnen. Ich halte ein Minus zwischen 5 und 10 Prozent für wahrscheinlich.

Interview: Jürgen Scharrer
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