Flatrate-Preisrutsch: 1&1 zieht mit Billig-Anbietern gleich / Hoher Werbedruck trotz Abschreibungen auf Sedo

Dienstag, 14. August 2012
Erwarten kein Margenproblem: United-Internet-Vorstände Ralph Dommermuth und Norbert Lang
Erwarten kein Margenproblem: United-Internet-Vorstände Ralph Dommermuth und Norbert Lang

Die deutschen Smartphone-Nutzer müssen immer weniger fürs Surfen und Telefonieren bezahlen. Nachdem der Markteintritt des E-Plus-Discounters Yourfone im April bereits bei Wettbewerbern wie Klarmobil, Simyo und Blau.de für einen massiven Preisrutsch gesorgt hat, zieht jetzt auch 1&1 nach. Die Allnet-Flatrate der United-Internet-Tochter ist in der neuen Basic-Variante ab sofort für knapp 20 Euro zu haben - damit ist das Angebot jetzt genauso günstig wie bei den Discountern und kostet rund 10 Euro weniger als bislang. Ungeachtet dessen sagt United-Internet-Chef Ralph Dommermuth in diesem Segment stabile Margen voraus und pusht das Angebot mit einer neuen TV-Kampagne.
Der von Stammbetreuer Jung von Matt/Neue Elbe in Hamburg entwickelte TV-Spot für die verbilligte Allnet-Flat ist ab sofort auf reichweitenstarken Sendern wie RTL, Pro Sieben, Sat 1 und Vox zu sehen. Das Commercial, das unter anderem von Printanzeigen flankiert wird und neben dem Preis auch die Qualität des D-Netzes hervorhebt, soll das Geschäft mit dem mobilen Internet weiter ankurbeln. Wie Dommermuth auf der heutigen Bilanz-Pressekonferenz ankündigte, will United Internet im 2. Halbjahr 2012 in etwa genauso viele Neukunden für die Allnet-Flat gewinnen wie in den ersten sechs Monaten. Damit würde die Zahl der Kundenverträge im Bereich Mobiles Internet bis Jahresende um weitere 270.000 Verträge steigen.

Die Gefahr, dass der Preisrutsch die Margen verdirbt, sieht Dommermuth nicht. Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen wird das Angebot wie bei United Internet üblich nach einem Jahr 10 Euro teurer. Zum anderen ist das Highspeed-Volumen der neuen Basic-Variante auf 300 MB limitiert - wem das nicht ausreicht, muss die Plus-Variante für 30 Euro mit 500 MB oder gar die Pro-Variante für 40 Euro mit 1000 MB buchen.

Unter dem Strich - da ist sicher Dommermuth sicher - wird United Internet mit der Allnet-Flat-Produktfamilie weiter gutes Geld verdienen. Das deuten auch die Zahlen fürs 1. Halbjahr an: Im Geschäftsfeld Access, in dem United Internet seine DSL- und Mobilfunk-Angebote bündelt, kletterte der Umsatz um 16 Prozent auf 764 Millionen Euro. Der operative Gewinn legte gar um 47 Prozent auf 75 Millionen Euro zu. Damit ist das Segment Access die wichtigste Umsatz- und Ertragssäule des Konzerns, der beim Gesamtumsatz um 15 Prozent auf 1,16 Milliarden Euro zulegte.


Dass das operative Ergebnis (Ebit) von 160 Millionen Euro im Vorjahr auf nur noch 57,5 Millionen Euro zurückging, liegt an dem zweiten Geschäftsbereich Applications - oder genauer gesagt an dem Affiliate- und Domain-Marketinganbieter Sedo. "Vor allem das Geschäft mit dem Domain-Parking hat sich nicht so entwickelt, wie wir das erwartet haben", räumt Dommermuth ein. Die Folge sind Abschreibungen auf Sedo im Wert von satten 46 Millionen Euro, die das Gesamtergebnis entsprechend belasten.

Ansonsten laufen die Geschäfte im Applications-Segment bestens. Das liegt vor allem an der Do-It-Yourself-Homepage. Das Angebot, das inzwischen in sieben europäischen Ländern und den USA gestartet ist, ist dank der massiven Werbekampagne international ein Erfolg. So stieg die Zahl der Kundenverträge im 1. Halbjahr um 130.000 auf jetzt 320.000. Für Dommermuth ist das ein "großer Erfolg". Daher ist auch eine Kürzung des Werbeetats für das Produkt, der sich im 1. Halbjahr auf satte 73 Millionen Euro belief, nicht geplant. Nach einer kurzen Pause im Juli und August soll die internationale Werbekampagne für die Do-It-Yourself-Homepage im September wieder starten und bis Jahresende durchlaufen.

Keine Kampagne plant Dommermuth hingegen für die DE-Mail, die noch im 2. Halbjahr an den Start gehen soll. Grund ist die hohe Zahl der Vorregistrierungen für den rechtssicheren elektronischen Brief. Laut Dommermuth haben bereits rund eine Million Nutzer der kostenlosen E-Mail-Angebote des Konzerns Interesse angemeldet. Dies sei für den Anfang mehr als ausreichend. mas
Meist gelesen
stats