Flatrate-Preiskrieg zwischen AOL und Deutsche Telekom spitzt sich zu

Mittwoch, 07. Juni 2000

Im Provider-Markt geht der Kampf um die Internet-Flatrates in die heiße Phase. Das Verwaltungsgericht Köln hat der Deutschen Telekom per Zwischenbescheid untersagt, den Sonntags-Pauschaltarif ISDN-XXL weiter anzubieten. Mit der Entscheidung des Gerichts hat Kläger AOL im Ringen um die Flatrate aber nur einen kleinen Sieg errungen. Denn der monatlichen Flatrate von 79 Mark, die T-Online seit vergagener Woche neben der Sonntags-Pauschale ins Rennen geschickt hat, hat der Telekom derzeit nocht nichts entgegenzusetzen. "Wir werden aber bald mit einer eigenen Flatrate kontern", sagt AOL-Pressechef Frank Sarfeld. Schon jetzt ist der Preiskrieg aber in vollem Gange. Das Telekommunikationsunternehmen Mannesmann Arcor, das bereits seit Jahresanfang eine Flatrate anbietet, hat auf die Telekom-Aktion reagiert und den Preis auf 49 Mark gesenkt. Beworben wird die Angebotsänderung in Tageszeitungen. Mit dem Telekom-Angebot gleichgezogen ist jetzt der Provider Sonne. Der Hamburger Provider Next Generation Internet liegt seit Anfang Juni knapp darunter. Einen absoluten Tiefstpreis kündigt Silyn-Tek Communications an. Der stellvertretende Geschäftsführer Reinhard Weides will den konkreten Preis zwar noch nicht offenbaren, gibt sich aber angriffslustig: "Wir werden alle anderen unterbieten." Warum die deutschen Internet-Provider auch angesichts finanzieller Risiken auf die Einführung der Flatrate nicht länger verzichten können, weiß Mannesmann-Arcor-Specher Michael Peter: "Mit der Flatrate sorgen wir dafür, dass die Surfer länger im Netz bleiben, und binden gerade die Heavy User an unser Angebot." Eine längere Verweildauer wirke sich wiederum positiv auf die Nutzung von E-Commerce-Angeboten aus und verspreche damit einen Umsatzanstieg, erklärt Peter. Der Preiskrieg werde aber nicht ohne Konsequenz bleiben, meint Frank Sarfeld: "Es wird zu einer Konsolidierung kommen, bei der viele mittelständische Provider auf der Strecke bleiben." Eine neue Ära der Internet-Zugänge will der Frankfurter Service-Provider Gigabell einläuten. Er will ab dem Sommer unter freeokay.net einen rein werbefinanzierten Internet-Zugang ohne Grundgebühr, Einwahlgebühren und Telefonkosten anbieten. "Damit gehören horrende Telefonrechnungen und unübersichtliche Tarife der Vergangenheit an", ist sich Daniel David, Vorstandsvorsitzender Gigabell sicher.
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