Financial Informer: "Handelsblatt" greift Google News bei Finanznachrichten an

Montag, 03. Januar 2011
Das Handelsblatt verspricht mit dem Financial Informer einen Nachrichtenturbo
Das Handelsblatt verspricht mit dem Financial Informer einen Nachrichtenturbo

"Das Handelsblatt" hat unter dem Titel "Financial Informer" einen News-Aggregator für Finanznachrichten gestartet. Bei der Ankündigung des neuen Dienstes gibt sich die Verlagsgruppe selbstbewusst, denn das kostenfreie Informationsportal lasse "selbst Google langsam aussehen", heißt es in einer Unternehmensmitteilung. So hätten Tests gezeigt, dass mehr als 80 Prozent der Nachrichten des Financial Informers schneller zur Verfügung stehen als bei einer Suche mit Google News. "Das Zukunftspotential der Idee des News Aggregators ist erheblich. Nicht ohne Grund arbeiten derzeit beispielsweise in den USA große Zeitschriftenverlage gemeinsam an diesem Konzept. Der Financial Informer bündelt die redaktionelle Meinungsvielfalt im Internet, ohne sie zu beschneiden, also ein grundsätzlich offener Informationsansatz", erklärt Leonard Metsch. Er ist Vorstand des Unternehmens SMK Innovations, das das Produkt entwickelt hat. Zusammen mit dem ehemaligen Bloomberg-TV-Chefredakteur Wilhelm Kötting ist Metsch auch Geschäftsführer der Financial Informer Deutschland GmbH (Gesellschafter: VHB und SMK)

Der News Aggregator greift nahezu in Echtzeit auf das redaktionelle Angebot von derzeit mehr als 350 Finanznachrichtenangeboten im Internet zu. Für mehr Übersichtlichkeit und Nutzwert sorgen Rubriken und individuelle Filter. Über "My Informer" lässt sich die Nachrichtenauswahl personalisieren. Der Dienst richtet sich an professionelle Nutzer und Entscheider. Entsprechend optimierte die Verlagsgruppe Handelsblatt das Produkt auch für die Darstellung auf mobilen Endgeräten. Vermarktet wird das Angebot von IQ Media.

VHB-Geschäftsführer Michael Stollarz
VHB-Geschäftsführer Michael Stollarz
"Der Financial Informer schafft ein völlig neues Angebot für die Informationselite, das perfekt das redaktionelle Angebot des Handelsblatts und der Verlagsgruppe Handelsblatt ergänzt: Der neue Informationsdienst bietet pure Fakten und Geschwindigkeit, die Print-Angebote der Verlagsgruppe zudem Hintergrund und Vertiefung", kommentiert Michael Stollarz, Geschäftsführer der Verlagsgruppe Handelsblatt den Schritt.

Wie andere Medienhäuser auf das Angebot reagieren, bleibt abzuwarten. Schließlich streiten sie bereits seit längerer Zeit mit Google über ein Leistungsschutzrecht. "Handelsblatt"-Chefredakteur Gabor Steingart sieht in dem eigenen News Aggregator offenbar kein Problem, wie er vor einigen Wochen in einem HORIZONT-Interview bekundet hat (Ausgabe 45/2010): "Die Agenturen haben wir abonniert, unsere Korrespondenten sind unsere Korrespondenten und wenn wir HORIZONT zitieren, dann nur mit Quellenangabe." Ob er mit diesem Argument dem Streit mit anderen Verlagen aus dem Weg geht, ist jedoch fraglich. Schließlich verlinkt auch Google zu den Nachrichtenquellen. bn
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