"Fashion & Fame": Keine Liebe auf den ersten Blick

Freitag, 21. Januar 2011
Die Designer-Castingshow holte zum Start nur einen enttäuschenden Marktanteil von 6,9 Prozent
Die Designer-Castingshow holte zum Start nur einen enttäuschenden Marktanteil von 6,9 Prozent
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Mode, Models und Lifestyle: Es hätte für Pro Sieben ein erfolgreicher Abend werden können, wartet die mode- und lifestyleaffine Zielgruppe doch schon sehnsüchtig auf den Start der nächsten Staffel "Germany' s next Topmodel" am 3. März. Doch so ganz wollte der Plan nicht aufgehen. Das neue Format "Fashion & Fame", das gestern Premiere feierte, fiel beim Publikum durch.
Die Designer-Castingshow mit Philipp Plein erzielte mit gerade einmal 890.000 Zuschauern von 14 bis 49 Jahren nur einen schwachen Marktanteil von 6,9 Prozent. Allerdings mussten die unbekannten Designer auch direkt den Top-Filmen "Das Parfüm" auf Sat 1 und "Das Schwiegermonster" auf Vox konkurrieren.

Dabei hat "Fashion & Fame" durchaus Potential. Zumal das Format endlich wieder Abwechslung in die Deutsche Casting-Einöde bringt. Die meisten Shows wie "Popstars" , "Deutschland sucht den Superstar" und "X-Factor" konzentrieren sich fast ausschließlich auf Gesangstalente und die, die es gerne wären.

Bei "Fashion & Fame" steht die Mode und das handwerkliche Können der Kandidaten im Vordergrund. Plein sucht unter sieben Jungdesignern den Chef des neu gegründeten Labels "Gold Cut". Dafür müssen die sieben jede Woche in Challenges gegeneinander antreten und ein Kleindungsstück entwerfen. Als Ansporn dient dabei zusätzlich, dass das Gewinnerstück jeder Folge in Serie geht und über Otto.de vertrieben wird.

Die Auswahl der Kandidaten verspricht viel Gesprächstoff
Die Auswahl der Kandidaten verspricht viel Gesprächstoff
Die Auswahl der Kandidaten zeigt jedoch, dass auch "Fashion & Fame" auf das klassische Schema F der Casting-Shows setzt. Und so gibt es das 19-jährige Küken, das noch immer Nestwärme sucht, die rebellische Außenseiterin, die nur schwerlich mit der eingebildeten Diva zu Recht kommt und die karrieregeile Blondine. Bei den männlichen Vertretern trifft die sportliche "Mode-Hete" auf den Designer, über dessen sexuelle Orientierung noch spekuliert werden darf und den gefühlvollen Designstudenten.

Für Zündstoff dürfte außerdem die Tatsache sorgen, dass einer der Kandidaten bereits ein eigenes Modelabel in Rumänien besitzt und die Show nur als Sprungbrett in die deutsche Modewelt nutzt. Wenn so unterschiedliche Typen aufeinander treffen, dann ist also auch bei "Fashion & Fame" mit Lästerattacken, Konflikten und vielleicht auch Intrigen zu rechnen, über die sich der Zuschauer köstlich amüsieren oder aufregen kann.

Auch bei der Jury setzt Pro Sieben auf Bekanntes, das Dieter-Bohlen-Prinzip. Mit der Mode-Dozentin Emma Brown sitzt eine Frau in der Jury, die mit harten Worten nicht zimperlich umgeht. Und so dürfen sich die Zuschauer auf Kommentare wie "das sieht aus wie ein Vorhang" freuen. Plein beweist bislang allerdings kein großes Showmaster-Talent - sein Moderation wirkt sehr gestellt und unauthentisch.

Etwas übertrieben und zwanghaft symbolisch wirkt das Schlussritual der Sendung: Der schlechteste Entwurf muss vor den Augen der Jury und der Mitkandidaten verbrannt werden.

Auch wenn "Fashion & Fame" bekannten Prinzipien folgt - die sich immerhin bei ähnlichen Formaten bewährt haben - bleibt die Sendung auf ihre Art neu und interessant. Die erste Folge konnte zwar nicht auf Anhieb überzeugen, enttäuschte aber auch nicht auf ganzer Linie. Keine Liebe auf den ersten Blick aber vielleicht auf den zweiten oder dritten. Michaela Brehm
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