Fan-Explosion auf Twitter: FDP war wohl wirklich Opfer einer Kampagne

von Ingo Rentz
Freitag, 22. Februar 2013
Für das Twitter-Profil der FDP wurden tatsächlich Fans gekauft
Für das Twitter-Profil der FDP wurden tatsächlich Fans gekauft


Im Zusammenhang mit der plötzlich explodierten Zahl an Twitter-Followern der Bundes-FDP fiel häufig der Name Fandealer. Die Firma ermöglicht es Privatpersonen oder Unternehmen, sich gegen Bezahlung neue Facebook- oder Twitter-Fans zuzulegen. Nun teilt Fandealer mit: Ja, über die Plattform wurden wirklich Fans für die FDP gekauft. Aber von einer anderen Partei. "Nach Aufkommen der gestrigen Berichterstattung konnten wir feststellen, dass auf unserem Portal tatsächlich eine Kampagne für die offizielle Twitter-Seite der FDP aktiv war", schreibt Geschäftsführer Mario Rönsch in einer auf Facebook veröffentlichten Pressemitteilung. Aber: Die Liberalen waren nicht der Auftraggeber - es war offenbar ein politischer Mitbewerber der FDP. Rönsch: "Das entsprechende Benutzerkonto wurde zweifelsfrei mit einer E-Mail Adresse einer anderen deutschen Partei eingerichtet." Den Urheber wolle man aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht nennen.

Über die Beweggründe des anonymen Spenders kann man nur spekulieren. Sollte der FDP mit dem massenhaften Einkauf von Followern gar gezielt geschadet werden? Immerhin steht eine Partei, die dem Anschein nach massenhaften Fan-Einkauf nötig hat, reichlich unseriös da. Allerdings, schreibt Rönsch, sei über Fan-Dealer nur ein geringer Teil der 30.000 neuen Follower aquiriert worden - nämlich genau 922. Dabei handele es sich gemäß des Fandealer-Geschäftsmodells ausschließlich um reale Profile aus Deutschland.

Die Vermittlung von 30.000 realen Twitter-Followern würde aber einen Zeitraum von mindestens sechs bis neun Monaten beanspruchen, so Rönsch. "Es liegt daher die Vermutung nahe, dass der Kampagnenurheber weitere Follower für die Twitter-Seite der FDP bei einer Firma im Ausland beschafft hat." Anbieter aus dem Ausland vermittelten in der Regel keine echten Nutzer, sondern Fake-Profile.

Um weitere Negativ-Presse zu vermeiden, wird Fandealer im Folgenden alle politischen Parteien für den eigenen Service sperren. Die Vermittlung von Facebook Fans oder Twitter Followern auf eigene oder fremde Rechnung werde für Parteien somit nicht mehr möglich sein. FDP-Generalsekretär Patrick Döring verbreitete unterdessen via Twitter, man habe von Twitter die Zusage, dass verdächtige FDP-Follower gelöscht würden. ire
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