Falsch berichtet? ARD reagiert auf Kritik von Ex-Amazon-Leiharbeiterin

Donnerstag, 21. Februar 2013
Silvina Cerrada in der ARD-Doku "Ausgeliefert" (Bild: mediathek.daserste.de)
Silvina Cerrada in der ARD-Doku "Ausgeliefert" (Bild: mediathek.daserste.de)


Weiter Wirbel um die ARD-Doku "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon": Laut dem Bericht einer hessischen Lokalzeitung fühlt sich eine der Protagonistinnen des Films von der ARD falsch zitiert. Die Sendeanstalt weist die Kritik zurück. "Vieles ist zwar wahr, aber Vieles ist auch sehr verdreht dargestellt", sagte die Spanierin Silvina Cerrada zu der hessischen Lokalzeitung "Kreisanzeiger". Cerrada war bei Amazon als Zeitarbeiterin angestellt. Nachdem sie dort nicht weiterbeschäftigt wurde, trat sie eine Stelle im Seepark Kirchheim, zunächst als 400-Kraft, dann in Vollzeit. Bei dem Hotel handelt es sich just um jenen Ort, an dem zahlreiche Saisonkräfte von Amazon untergebracht worden waren. Sie selbst habe nie etwas Schlechtes über die Unterbringung gesagt, versichert Cerrada gegenüber dem "Kreisanzeiger": "Wenn ich mich hier nicht wohl gefühlt hätte, würde ich doch nicht hier arbeiten wollen."

Richtig sei, dass sich einige Amazon-Mitarbeiter von dem Personal der Sicherheitsfirma eingeschüchtert gefühlt hätten, von der sich Amazon mittlerweile getrennt hat. Einigen Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes wurden Verbindungen in die rechte Szene nachgesagt. Von einer menschenunwürdigen Unterbringung könne jedoch keine Rede sein. So sei Cerrada beim Schlafen auf der Couch gezeigt worden, weil angeblich ihr Bett zu kurz gewesen sei. In Wahrheit habe sie im Wohnzimmer ihre Siesta gehalten, weil man von dort die Vögel hören konnte. Auch sei sie mehrfach gefragt worden, ob sie die Lebensverhältnisse nicht beengt fände. Sie habe stets verneint, sagt Cerrada.

Um Cerradas Meinung zum Seepark sei es aber auch nie gegangen, wehrt man sich beim für den Film verantwortlichen Hessischen Rundfunk: "Sie dementiert, dass es ihr dort nicht gefallen habe, was allerdings auch nicht Thema der Dokumentation war", so HR-Pressesprecher Tobias Häuser auf Anfrage von HORIZONT.NET. "Alle anderen Vorwürfe der Dokumentation hinsichtlich Anwerbung, Leiharbeitsfirmen, Arbeitsbedingungen und Sicherheitsdienst bestätigt sie weiterhin." Interviewteile seien mitnichten aus dem Zusammenhang gerissen worden, was man auch jederzeit belegen könne.

Rudert Cerrada etwa deswegen zurück, weil sie ihren jetzigen Arbeitgeber schützen will? Ihre Aussagen gegenüber dem "Kreisanzeiger" lassen dies vermuten. Eine Antwort von ihr gibt es dazu bislang nicht. Gegenüber "Focus Online" äußerte sich Cerrada allerdings zum Medienrummel um ihre Person und ihre Amazon-Kritik: "Das ist nicht wichtig. Das alles lenkt von den entscheidenden Punkten ab." Dem sei eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, so Häuser. "Wir bleiben in sämtlichen Punkten bei unserer Darstellung." ire
Meist gelesen
stats