"FTD" rollt Paid-Content-Strategie aus / Premium-Abo in der Pipeline

Montag, 09. Mai 2011
Die FTD erweitert ihr Paid-Angebot
Die FTD erweitert ihr Paid-Angebot

Die Leser von HORIZONT erfuhren es bereits Anfang April (Ausgabe 14/2011): Die „Financial Times Deutschland" als Haupttitel der Gruner + Jahr-Wirtschaftsmedien erweitert den Paid-Content-Bereich auf ihrem Portal ftd.de, führt eine Web-basierte Tablet-App ein und startet Marktforschungsangebote. Nun nennt G+J die genauen Konditionen dazu. Paid Content auf ftd.de: Hintergrundartikel, Analysen und Meinung gibt es ab sofort nur noch gegen Bezahlung. Die Redaktion macht auf der Homepage auf die von ihr definierten Premium-Beiträge aufmerksam. Ein Tagesticket kostet 2,20 Euro und beinhaltet zehn Downloads. In wenigen Tagen wird es 2,50 Euro kosten und alle Onlineartikel und E-Paper zugänglich machen. Für Dauernutzer gibt es ein Digital-Abo. Dieses kostet 24,90 Euro pro Monat und umfasst alle Online-Artikel, Premium-Inhalte, alle E-Paper inklusive „FTD 17.00 Uhr", Sonderbeilagen, die neue Tablet-App und die Inhalte der iPhone-App, die laut G+J seit vergangenem Dezember rund 280.000 Downloads der „FTD"-Abonnenten verbucht hat.

Damit weitet die "FTD" ihr Online-Angebot – allerdings jetzt eben kostenpflichtig – wieder aus. Denn in den vergangenen Monaten hatte man den Anteil der Print-Inhalte, die (bis jetzt kostenlos) online verfügbar waren, auf nur noch ein Viertel zurückgeschraubt. Exklusive "FTD"-Newsgeschichten, die auch in anderen Medien aufgegriffen werden, sollen auf der eigenen Site weiterhin gratis zu lesen sein.

Apps für iPad und Co: Wie bereits bekannt, verzichten die G+J Wirtschaftsmedien darauf, Abos über Apples iTunes-Store anzubieten, weil man sich Apples Konditionen nicht beugen und vor allem die Kundenbeziehung nicht abgeben will. Nur im Einzelverkauf beschickt die „FTD" den Apple-Shop: Ab sofort ist die „FTD" bereits am Vorabend ab 22.30 Uhr als E-Paper-Applikation für das iPad im iTunes-Store für 1,59 Euro verfügbar, inklusive Live-Ticker, Kursinformationen und Börsencharts. Für Tablet-Nutzer, die abonnieren wollen, gibt es jetzt eine HTML5-basierte „Web-App", über die sich Käufer des neuen Digital-Abos für die PDF-Version der „FTD" anmelden können. Über Bertelsmanns E-Kiosk Pubbles ist die „FTD" als Digitalversion bereits verfügbar. Laut Ingrid Haas, Geschäftsführerin der G+J Wirtschaftsmedien, seien E-Paper-App und PDF gemäß IVW der verkauften Auflage zurechenbar. Ihre Verkaufserwartungen bei Tagestickets, Digital-Abos und Einzel-Apps mag sie nicht beziffern.

Der nächste Schritt zur „Etablierung einer Bezahlschranke für hochwertige Inhalte der ,FTD‘ in der digitalen Welt" (Steffen Klusmann, Sprecher des Chefredakteursteams der G+J Wirtschaftsmedien) soll „in wenigen Wochen" ein Premium-Abo sein, das Print- und Digital-Abo kombiniert. Der Preis dafür ist noch unklar, dürfte aber über dem des Print-Abos (42 Euro pro Monat) liegen. Den „nächsten großen Ausbauschritt" kündigt Klusmann nach der Einführung des neuen Redaktionssystems an, mit dem die einzelnen Medienkanäle besser bespielt werden könnten - dann könnten auch die Apps mediengerecht aufgehübscht werden.

Einen Reichweitenverlust erwartet Haas durch die Ausweitung des Paid-Bereichs nicht. Fragt sich nur, inwieweit ftd.de - die Sites der übrigen G+J Wirtschaftstitel "Capital", "Börse Online" und "Impulse" könnten, wohl bald mit neuem Redaktionsleiter, dem Beispiel bald folgen - durch höhere Bezahlhürden auf Reichweitenzuwächse verzichten muss. Haas könnte mit Blick auf erhoffe digitale Vertriebserlöse wohl auch dies verschmerzen: „Online hat sich gezeigt, dass redaktionelle Qualität nicht allein durch Reichweiten-basierte Werbeerlöse zu refinanzieren ist", hatte sie im April bei der Ankündigung ihres mehrstufigen Paid-Content-Konzepts gegenüber HORIZONT gesagt.

Erweiterung der Marktforschungsangebote: Die „FTD“ und bald auch „Impulse“ erweitern ihr Angebot im Internet um einen Shop mit über 60.000 internationalen Studien und Marktdaten von mehr als 70 Herausgebern. Kooperationspartner ist der Spezialanbieter Aegidius in Köln mit seinem Portal marktforschung.de. Haas erhofft sich davon mittelfristig ein mittleres sechsstelliges Ergebnis. Außerdem baut sie mit den Forschern des G+J-Vermarkters Media Sales ihr Research-Angebot aus, etwa das „FTD-Entscheider-Panel“ mit rund 1100 Teilnehmern. Und mit ihrer Corporate-Publishing-Sparte Facts & Figures wollen die G+J Wirtschaftsmedien kundenindividuelle Studien konzipieren und redaktionell produzieren. Das erste Projekt ist eine Studie zur Betrieblichen Altersvorsorge für die Gothaer Versicherung. Seit Februar bietet die „FTD“ zudem themenbezogene kostenpflichtige E-Dossiers an.

Und natürlich vergeht kein Pressegespräch mit Haas ohne die rituellen Fragen und überraschungsfreien Antworten zu den seit Jahren ersehnten schwarzen Zahlen bei den G+J Wirtschaftsmedien (nein), „FTD" (nein), ftd.de (ja) und „Capital" (ja). Haas dazu mal wieder: „Wirtschaftlich sind wir auf einem Weg, der uns sehr zuversichtlich stimmt." rp
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