"FTD" feiert mit vier unterschiedlichen Ausgaben Geburtstag

Montag, 22. Februar 2010
Die Künstler-Ausgabe der FTD. Die Seite 1 wurde zu spät fertig.
Die Künstler-Ausgabe der FTD. Die Seite 1 wurde zu spät fertig.

Die "Financial Times Deutschland" wird zehn Jahre alt - und feiert ihr Jubiläum gleich mit vier unterschiedlichen Ausgaben. Es hat bei deutschen Zeitungen inzwischen eine gewisse Tradition, besondere Ausgaben von Prominenten produzieren zu lassen. Denn ein bisschen PR in eigener Sache schadet nie. Nun hat sich also auch die "FTD" zum zehnten Geburtstag prominente Schützenhilfe besorgt. Doch anders als bei vergleichbaren Aktionen, bei denen Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur für einen Tag Blattmacher spielen dürfen, hat die FTD gleich vier unterschiedlichen Teams gebildet, die jeweils eine eigene Version der Jubiläumsausgabe produziert haben: Top-Manager, Politiker, Künstler und eine 10. Schulklasse.

Im Team der Topmanager unter anderem am Start: Deutsche-Popst-Chef Frank Appel, Michael Frenzel von Tui, Jürgen Großmann, Vorstandsvorsitzender von RWE und Goldman-Sachs-Boss Alexander Dibelius. Bei den Politikern griffen unter anderem SPD-Vize Olaf Scholz, und die Bundesminister Philipp Rösler und Peter Ramsauer in die Tasten, bei den Künstlern gehörte Hirschen-Gründer Marcel Loko zum Team.

Jede Gruppe konnte die Themen dabei nach ihren Vorstellungen gewichten. "Lassen Sie sich überraschen, wer den Tag wie aufbereitet hat", schreibt Chefredakteur Steffen Klusmann im Editorial: "Doubletten sind systemimmanent. Banker und Künstler gehören ja zum selben Kulturkreis".

Dass dabei die Interessen und unterschiedlichen Blickwinkel der vier Gruppen klar zum Ausdruck kommen, liegt auf der Hand. So machen die Schüler mit dem Thema Datenschutz in Schulen ("Big Teacher is watching you") auf, während die Manager den Lufthansa-Streik vorne platzieren, die Politiker den Streit um Hartz 4 und die Künstler sich bei der Gestaltung ihrer Seite 1 so viel Zeit nahmen, dass sie den Redaktionsschluss überzogen und Abonnenten der frühen Ausgabe eine leere Seite 1 zu Gesicht bekamen. Bestimmte Themen finden sich in allen vier Ausgaben wieder - wenn auch mit deutlichen Unterschieden in der Gewichtung.

Insofern ist das Experiment sowohl für Leser als auch für Journalisten aufschlussreich - macht es doch deutlich, wie wichtig die Auswahl der Themen für die Handschrift einer Zeitung ist. Und dass gerade in Zeiten des Internets die Sichtung, Einordnung und Bewertung der täglichen Informationsflut zu den wichtigsten Aufgaben einer Redaktion gehören. Insofern kann man den Redakteuren der "Financial Times Deutschland" nur wünschen, dass Gruner + Jahr dem Titel trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten auch weiter die Treue hält. dh
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