FTD-Apps: G+J-Buchholz stichelt gegen WAZ-Hombach – und kündigt Bezahlinhalte an

Montag, 22. Februar 2010
G+J-CHef Bernd Buchholz schießt zurück
G+J-CHef Bernd Buchholz schießt zurück

Eine Geburtstagsrede mit Seitenhieb: In seiner Ansprache zum 10-jährigen Bestehen der "FTD" ließ es sich Gruner + Jahrs Vorstandschef Bernd Buchholz am Montagabend nicht nehmen, vor der versammelten Festgemeinde inklusive Bundeskanzlerin Angela Merkel kurz mal gegen WAZ-Chef Bodo Hombach zurückzuschießen. "Wir stehen zu unserer kostenlosen Basisversion der FTD-App", sagte Buchholz. Doch natürlich plane G+J längst weiter: "Eine bezahlte Premium-App wird kommen. Dahinter steckt eine Strategie - das ist wohl noch nicht bis zu jedem durchgedrungen." Die letzte Bemerkung darf man als Gruß an Hombach lesen. Dieser hatte via "Spiegel" Kritik an Gruner + Jahrs (bisheriger) Kostenlos-Kultur bei den Apps sowie an den Klageerwägungen gegen die NDR-Auslegung des Rundfunkstaatsvertrags in Sachen Tagesschau.de lanciert und miteinander verbunden - und damit offensichtlich Themen verwechselt oder vermischt, die wenig miteinander zu tun haben.

Doch eigentlich standen an diesem Abend im G+J-Foyer nicht die Apps der "FTD" im Vordergrund, sondern der Geburtstag der lachsrosa Medienmarke. Buchholz würdigt den anerkannten publizistischen Erfolg der "FTD" - und räumt ein, dass der wirtschaftliche Erfolg bisher nicht eingetreten sei. „Doch wir meinen, es lohnt sich dafür zu kämpfen." Er dankt den "verlegerisch denkenden" G+J-Gesellschaftern (anwesend sind Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski und Burkhard Schmidt, der Geschäftsführer der Jahr-Holding) für ihren "langen Atem". Auch "FTD"-Chefredakteur Steffen Klusmann dankt den Eignern - und hat am Ende für sie sogar augenzwinkernde Zuversicht übrig: "Alles wird gut". Geschäftsführerin Ingrid Haas wähnt, wie berichtet, die ersehnte schwarze Null für 2011 "in Sichtweite".

Doch Klusmann sagt noch etwas anderes: "Niemand weiß, wie lange Zeitungen wie die 'FTD' noch jeden Tag auf Papier erscheinen. Wenn die elektronischen Lesegeräte erstmal richtig da sind, kann das dann sehr schnell gehen."

Und dann betritt die Bundeskanzlerin die Bühne - und widerspricht: "Ich glaube nicht, dass Lesegeräte das schöne Papier ganz ersetzen." Die Verleger sollten nicht nur auf neue elektronische Kanäle setzen: "Ein bisschen Papier in den Fingern, das wird auch in den nächsten zehn Jahren noch gut tun."

Mit Blick auf Buchholz' angekündigte Premium-App gibt ihm Merkel im launigen Teil ihrer Rede den Rat, dieses Angebot in seiner Ausstattung klar von der Gratis-App zu differenzieren. "Das Volk ist klug. Passen Sie auf, dass Premium nicht bald kostenlos ist", so Angela Merkel, die ansonsten in weiten Teilen ihrer Rede an die Medien appelliert, die komplexen Zusammenhänge der Wirtschaftswelt immer wieder zu erklären - und nicht jedes Ringen um Lösungen der Politik, die wie alle anderen in diesen Zeiten auch mal "geistiges Neuland" betrete, gleich zum Streit zu stilisieren. rp
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