"FR": Türkischer Verleger will Angebot nachbessern

Mittwoch, 06. Februar 2013
Wechselt die "Frankfurter Rundschau" doch noch den Eigentümer?
Wechselt die "Frankfurter Rundschau" doch noch den Eigentümer?

Die Kritik hat gesessen. Auf der Suche nach einem Investor für die defizitäre "Frankfurter Rundschau" hatte Insolvenzverwalter Frank Schmitt das Angebot des türkischen Medienunternehmens Estetik Yayincilik als "in keiner Weise tragbar" bezeichnet. Nun legt Verleger Burak Akbay nach. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa kündigte er an, in dieser oder der nächsten Woche ein "genaueres Angebot" abzugeben. Estetik Yayincilik hatte Ende Januar kurz vor dem Ende des Bieterverfahrens Interesse  an der "FR" bekundet und ein Angebot für die Übernahme der Zeitung und der Druckerei abgegeben. Für Insolvenzverwalter Schmitt zwar ein "nicht annehmbarer" Vorschlag - zusätzliche Zeit, "um die laufenden Verhandlungsgespräche zum Abschluss zu bringen", räumten ihm die Gläubiger dennoch ein. Bis Ende Februar soll das Erscheinen der Frankfurter Traditionszeitung demnach gesichert sein.

Der türkische Verleger Burak Akbay will "Sözcü" nach Deutschland bringen
Der türkische Verleger Burak Akbay will "Sözcü" nach Deutschland bringen
Im Gespräch mit der dpa bekräftigte Verleger Akbay, der seine regierungskritische Zeitung "Sözcü" mit einer Startauflage von bis zu 30.000 Exemplaren auf den deutschen Markt bringen will, sein Interesse, die "FR" mit "mutigem Journalismus" als landesweit bedeutendes Blatt zu erhalten. Die Kritik des Insolvenzverwalters kommentiert Akbay meist trotzig. So werde er zwar ein neuen Angebot abgeben, auch wenn sein bisheriges "schon präzise" gewesen sei. Er kenne das Zeitungs- und Druckereigeschäft, ebenso wie die deutsche Tarifstruktur: "In der Türkei wird auch nicht mehr schlecht gezahlt."

In der "FR"-Redaktion will Akbay etwa 100 Stellen erhalten und auch die Druckerei in dem in der Nähe von Frankfurt gelegenen Neu-Isenburg weiterführen. Er sei überzeugt, dass die Druckerei frühere Kunden zurückgewinnen könne, sagte der türkische Verleger. Zuletzt hatte sich Axel Springer dazu entschlossen, seine Zeitungen ab Februar sicherheitshalber woanders drucken zu lassen. Akbay setze auf die Unabhängigkeit der Zeitung - ein Seitenhieb auf die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ), die in der vergangenen Woche ihr Interesse an der "FR" ebenfalls öffentlich gemacht hat. "Ich glaube nicht, dass die Frankfurter ein Kartell wollen", kommentiert der "Sözcü"-Verleger.

Letzteres wird derzeit vom Bundeskartellamt geprüft. Die Behörde untersucht, ob bei einer Übernahme der "FAZ" die Voraussetzungen für eine Sanierungsfusion vorliegen. Dafür ist unter anderem entscheidend, ob die bestehende Marktposition der "Rundschau" bei deren Ausscheiden ohnehin der "FAZ" zufallen würde und ob es einen ernsthaften alternativen Erwerber gebe. kl
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