FR: Medienexperten glauben nicht an Genossenschaftsmodell

Donnerstag, 15. November 2012
Wie geht es mit der "Frankfurter Rundschau" weiter?
Wie geht es mit der "Frankfurter Rundschau" weiter?


Nach dem Gang in die Insolvenz läuft die Suche nach einem Zukunftsmodell für die "Frankfurter Rundschau". Neben der klassischen Lösung eines Weiterverkaufs der Zeitung werden auch alternative Modelle wie die Gründung einer Genossenschaft oder einer Stiftung diskutiert. Experten bezweifeln allerdings, dass diese Modelle für die "FR" geeignet sind. Am Tag nach der Hiobsbotschaft gaben sich die Mitarbeiter der Tageszeitung kämpferisch: Man suche "mit allem Nachdruck Möglichkeiten, das Erscheinen des Blattes dauerhaft zu sichern", versicherte die Belegschaft ihren Lesern am Mittwoch auf Seite 1. Unter anderem wurde ein Genossenschaftsmodell nach dem Vorbild der Berliner "taz" ins Spiel gebracht. Doch wäre eine Beteiligung von Lesern und Mitarbeitern an dem Verlag geeignet, um die Existenz der ungleich größeren "Frankfurter Rundschau" zu sichern?

"Die Frage, ob sich ein solches Modell auf die 'FR' übertragen ließe, müssten zuallererst die Mitarbeitenden der 'FR' beantworten", sagt "taz"-Chefredakteurin Ines Pohl, schränkt aber zugleich ein: "Besser wäre die Entscheidung schon 2001 gefallen, als noch mehr Substanz vorhanden war."

Auch der Dortmunder Zeitungsforscher Horst Röper ist skeptisch: "Die 'taz' ist seinerzeit bei Null gestartet, die Beschäftigten haben für 1000 Mark monatlich gearbeitet. Die 'Rundschau' kommt hingegen von einem ganz anderen Niveau", sagte Röper gegenüber dem Berliner "Tagesspiegel". Stattdessen solle man über Stiftungsmodelle oder sogar staatliche Förderungen nachdenken, um die schwindenden Einnahmen aus Vertrieb und Werbung zu kompensieren.

Der Leipziger Medienwissenschaftler Michael Haller meldet ebenfalls Zweifel an einem Genossenschaftsmodell für die "Frankfurter Rundschau" an: "Die 'Rundschau' ist ein klassisch kalkuliertes Produkt. Als Genossenschaftszeitung wie die 'taz', die nahezu ohne Anzeigen auskommt, müsste die 'FR' den Abopreis massiv raufsetzen. Das ist selbst mit den treuen FR-Lesern nicht zu machen", befürchtet der emeritierte Professor und bringt eine Partnerschaft der "FR" mit der politisch ähnlich ausgerichteten "taz" ins Spiel: Womöglich habe "Rundschau" als "tougher und fetziger Regional- und Lokalteil" der "taz", die den Mantel zuliefern würde, eine Chance, wenn genügend Abonnenten mitziehen. dh
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