"FR"-Betriebsratschef: "Es wird gezockt bis zur letzten Sekunde"

Freitag, 18. Januar 2013
Bislang liegt noch kein konkretes Angebot für die "Frankfurter Rundschau" vor
Bislang liegt noch kein konkretes Angebot für die "Frankfurter Rundschau" vor

Der "Frankfurter Rundschau" läuft die Zeit davon. Nur noch bis Ende Januar ist der Betrieb der angezählten Traditionszeitung gesichert. Sollte Insolvenzverwalter Frank Schmitt bis zum Monatsende keinen Investor für das defizitäre Blatt finden, dann droht das endgültige Aus. "FR"-Betriebsratschef Marcel Bathis glaubt trotzdem an die Zukunft der 1945 gegründeten Tageszeitung. "Ich bin davon überzeugt, dass die Frankfurter Rundschau überleben wird", sagt Bathis im Gespräch mit HORIZONT.NET. Für die meisten Angestellten des Druck- und Verlagshauses Frankfurt, in dem neben der linksliberalen Zeitung auch die hauseigene Druckerei angesiedelt ist, sieht er dennoch schwarz.
Druckerei und Verlag zu verkaufen: "FR"-Shop in Frankfurt Sachsenhausen
Druckerei und Verlag zu verkaufen: "FR"-Shop in Frankfurt Sachsenhausen
"Es gibt nach wie vor Verhandlungen, aber es wird gezockt bis zur letzten Sekunde", beschreibt Marcel Bathis die aktuelle Lage bei der "Frankfurter Rundschau". Zu den potenziellen Investoren äußert sich Bathis genauso wenig wie Insolvenzverwalter Schmitt. Wie HORIZONT.NET bereits berichtete, sollen aber unter anderem die "FAZ" und die "Süddeutsche Zeitung" Interesse angemeldet haben. Auch Ippen wurde in einem Medienbericht als möglicher Käufer genannt. Die Münchner Verlagsgruppe hat allerdings inzwischen dementiert.

Auf ein Happy End dürfen die meisten Mitarbeiter aber wohl nicht hoffen - und zwar selbst für den Fall, dass sich bis Ende Januar doch noch ein Käufer findet. "Es wird so oder so zu einem erheblichen Abbau von Arbeitsplätzen kommen", erklärt Bathis gegenüber HORIZONT.NET. Vor allem die 250 Mitarbeiter der in Neu-Isenburg bei Frankfurt ansässigen Druckerei müssen sich Sorgen machen. Grund ist wie berichtet der Verlust des Großkunden Springer. Der hat sich aufgrund der unsicheren Situation beim Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main kürzlich dazu entschlossen, seine Zeitungen ab Februar  sicherheitshalber woanders drucken zu lassen - nach über 30 Jahren. Damit verliert die "FR"-Druckerei auch für potenzielle Käufer an Wert. "Die Druckerei macht derzeit 50 Prozent des Umsatzes mit Springer. Mit dem Verlust des Auftrages geht ein erheblicher Deckungsbeitrag flöten", klagt Bathis, der in der Druckerei mindestens die Hälfte der Arbeitsplätze in akuter Gefahr sieht. Auch den Verlagsangestellten will Bathis keine großen Hoffnungen machen.

Die Redaktionsmitglieder der "Frankfurter Rundschau" haben nach Einschätzung des "FR"-Betriebsratschefs erheblich bessere Chancen, im Falle einer Übernahme ihren Job zu behalten. "Wenn der Investor klug ist, dann bringt er die Frankfurter Rundschau weiter heraus - und zwar so wie sie ist", glaubt Bathis. Ohne eigene Redaktion wäre das linksliberale Profil der Zeitung kaum zu halten.

Für die verbleibenden zwei Wochen hat sich Bathis viel vorgenommen. "Ich werde alle Register ziehen, um Abfindungen und eine Transfergesellschaft durchzusetzen", gibt sich der Betriebsratschef kämpferisch. Zum Showdown kommt es am 29. Januar in Berlin, wo die Gewerkschaft Verdi mit den "FR"-Gesellschaftern - dem Verlagshaus M. DuMont Schauberg und der SPD-geführten Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft (DDVG) - zusammentrifft. "Ich hoffe, dass die Gesellschafter dann endlich einlenken und Verantwortung übernehmen", so Bathis. mas
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