Expertenumfrage: Fünf Hindernisse für das Wachstum von Video-Ads

Donnerstag, 26. November 2009
Jean-Pierre Fumagalli
Jean-Pierre Fumagalli

Die Hoffnungen des Internetwerbmarktes liegen auf Video-Ads. Während die klassischen Online-Werbeformate Banner, Layer und Pop-Ups tendenziell seltener zum Einsatz kommen, legt Bewegtbildwerbung deutlich zu. Gegenüber dem 1. Halbjahr 2008 betrug die Steigerungsrate im Vergleichzeitraum 2009 laut Nielsen Media Research knapp 264 Prozent. Doch der Markt steckt noch in den Kinderschuhen. Es gibt noch zahlreiche Hindernisse, die das Wachstum bremsen. HORIZONT.NET hat Experten befragt und dabei fünf wesentliche Hemmnisse identifiziert.

1. Defizit an Daten

Je mehr Geld Werbungtreibende in Video Ads investieren, desto stärker fordern sie Nachweise für die Wirkung und Planungssicherheit. Genau hier besteht aber laut Jean-Pierre Fumagalli, Vorstand des Bewegtbildvermarkters Smartclip, noch großer Nachholbedarf. In diesem Jahr seien zwar einige Studien herausgekommen, allerdings muss noch viel getan werden. Schließlich gilt es, den Vorsprung des TV-Markts von einigen Jahrzehnten aufzuholen.

Roland Schaber
Roland Schaber

2. Druck auf TV-Preise färbt ab

Auch wenn Vermarkter hier einen Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen sehen, so messen doch Werbungtreibende Video Ads an den klassischen TV-Spots. Dies zeichnet sich bereits ab, wie Roland Schaber, ebenfalls Vorstand von Smartclip, feststellt: „Wenn die Preise im TV wie derzeit stark unter Druck sind, werden sie langfristig auch für Video Ads sinken."

Bitburger-Werbung im Video-Channel von Kicker.de
Bitburger-Werbung im Video-Channel von Kicker.de

3. Es fehlt ein echter Killer-Content

Bewegtbildinhalte erfreuen sich unter Internetnutzern wachsender Beliebtheit. Laut der Video-Metrix-Studie, die das Marktforschungsunternehmen Comscore Ende Oktober veröffentlicht hat, haben allein in Deutschland 35,7 Millionen Internetnutzer Videos online abgerufen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein Zuwachs von 38 Prozent. Aber User stoßen meist noch zufällig auf die bewegten Bilder. Wenn sie beispielsweise einen Textbeitrag im Netz lesen, dann schauen sie sich auch noch das Video an, das im Umfeld platziert ist. "Die User gehen in der Regel nicht online, um gezielt bestimmte Bewegtbildinhalte abzurufen. Wenn künftig mehr attraktive Inhalte wie etwa Sport oder Spielfilme werbefinanziert im Netz abrufbar sind, wird sich das sicher ändern", prognostiziert Schaber.

Norman Güstrau
Norman Güstrau

4. Technische Standards müssen noch entstehen

Nach Angaben von Norman Güstrau, Senior Consultant bei der Beratungsfirma Mücke, Sturm & Company, hakt es noch an der Auslieferung von Video Ads vom Adserver auf die Website: „Der Durchbruch dieser Werbeform hängt davon ab, wie schnell ein einheitlicher Standard in der Kommunikation zwischen Adservern und Video-Playern geschaffen werden kann."

Jörg Blumtritt
Jörg Blumtritt

5. Kosten für Publisher sind hoch

Videocontent beinhaltet für die Anbieter hohe variable Kosten. Zum einen sind die Streamingkosten vergleichsweise hoch und zum anderen müssen die Lizenzen für die Nutzung von Inhalten externer Produktionsfirmen meist teuer nachverhandelt werden. Laut Jörg Blumtritt, European Operations Officer beim Bewegtbildvermarkter Tremor Media, macht sich dies in der Wirtschaftskrise negativ bemerkbar: „In diesem Jahr waren einige Publisher sehr vorsichtig. Zwar verfolgen viele ambitionierte Videoprojekte, aber einige haben das Ventil nur ganz wenig geöffnet, sprich, weniger Bewegtbildcontent bereitgestellt als sie das in wirtschaftlich besseren Zeiten getan hätten." bn Mehr zum Thema Video Ads lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 48/2009.
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