Experten-Umfrage: Wie Verlage auf die neue Konkurrenz durch Google-News reagieren sollten

Mittwoch, 04. März 2009
Dieter Degler
Dieter Degler

Die Ankündigung von Google, in den USA ab sofort auch Textanzeigen neben den Suchergebnissen seiner Nachrichtenaggregator-Site Google News zu platzieren, sorgt für ordentlich Wirbel. Zwar betont Google gegenüber HORIZONT.NET, dass es keinerlei Zeitplan oder Entscheidung darüber gebe, diese "Tests" auf Märkte außerhalb der Vereinigten Staaten auszuweiten. Wie sehr die hiesigen Verlage die drohende Konkurrenz durch den Internetriesen fürchten, zeigt jedoch ein Interview mit Springer-Chef Mathias Döpfner, das im aktuellen "Spiegel" nachzulesen ist. Darin fordert Döpfner ein „Leistungsschutzrecht" für die Mehrfachverwertung von „professionell erstellten Inhalten".

HORIZONT.NET wollte von Experten wissen, ob ein gesetzlicher Schutz die richtige Strategie für Medienhäuser ist, journalistischen Content vor der Verwertung durch Google und News-Aggregatoren zu schützen und kostbaren Inhalt zu monetarisieren. Neben Dieter Degler, Markus Peichl und Robert Basic, deren ausführliche Kommentare auf den folgenden Seiten nachzulesen sind, kommen weitere Verlagsmanager mir Kurz-Statements in der oben eingebundenen Galerie zu Wort. Die ausführliche Hintergrundgeschichte steht in der aktuellen ausgabe von HORIZONT, die am 5. März erscheint.

Das raten Dieter Degler, Markus Peichl und Robert Basic 

Dieter Degler, Geschäftsführer Degler Smart Media

Da ist Herr Döpfner etwa so klug wie die Musikindustrie vor zehn Jahren, die mit Kopierschutz hoffte, ihre alten Geschäfte zu schützen. Natürlich kann man das versuchen, aber es wird, wie die Erfahrung lehrt, nichts nützen. Wie man mit gewandeltem Verbraucherverhalten umgeht, hat Apple der Musikbranche vorgemacht: Mit neuen Geschäftsmodellen, die sich an diesem Verhalten orientieren.

Statt den widerlegten Quark von gestern zu wiederholen geht es darum, das Nutzerverhalten gründlich zu analysieren, die dahinter erkennbaren Bedürfnisse zu erkennen und dann darüber nachzudenken, wie man sie gewinnbringend bedienen kann. Am Ende werden überwiegend transaktionsorientierte Geschäftsmodelle stehen, die auf den Wa(h)rencharakter von Inhalten abheben. Wer attraktive Produkte anbieten kann oder sie zumindest glaubwürdig als wertig darstellen kann, wird gewinnen.


Das rät Markus Peichl

Markus Peichl, Geschäftsführer Fifteen Minutes und Vorstand der Lead Academy

Markus Peichl
Markus Peichl
Der Gedanke von Mathias Döpfner ist reizvoll und auf den ersten Blick richtig. Ob er den Verlagen aber am Ende wirklich aus ihrem Dilemma hilft, ist zweifelhaft. Das Prinzip der Leistungsschutzzahlungen besteht darin, die Content-Ersteller an den Einnahmen der Content-Verbreiter zu beteiligen. Das funktioniert dort, wo Produzent und Verbreitungskanal nicht identisch sind. Also beispielsweise bei Musik, die via Radio, TV oder Tonträger-Kopien zum Konsumenten kommt - der Komponist und die Plattenfirma haben in aller Regel nichts mit den Sendern zu tun, sollen aber an deren Erlösen mitverdienen.  

Bei journalistischen Inhalten ist das anders: Jeder Verlag betreibt auch selbst Online-Angebote, in denen er Texte und Fotos verbreitet. Er müsste also auch selbst Leistungsschutzzahlungen leisten. Der Gesetzgeber kann ja Spiegel Online nicht anders behandeln als Google-News - das würde gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoßen. Außerdem müsste zukünftig jeder Autor oder Fotograf Leistungszahlungen erhalten. Der tatsächliche „kleine" Urheber steht ja bei Leistungsschutz-Systemen im Vordergrund. Ihm gilt der eigentliche Schutz.

Am Ende wird das für Verlage bestenfalls auf ein Nullsummen-Spiel hinauslaufen. Das Geld, das sie als Content-Ersteller erhalten würden, müssen sie als Content-Verbreiter abführen - an Autoren, an Fotografen, an andere Content-Produzenten, die sie zitieren oder kopieren. Das wäre natürlich sehr begrüßenswert und auch längst überfällig. Im Interesse der vielen freien Mitarbeiter und freien Autoren. Aber ob es auch im ökonomischen Interesse der Verlage ist - dahinter steht ein großes Fragezeichen. Wenn es das nicht ist, werden wir ein solches Leistungsschutzmodell nie erleben. Es ist, wie immer, eine Frage der Macht.

Das rät Robert Basic

 

Blog-Papst Robert Basic, Ex-Betreiber von basicthinking.de

Robert Basic
Robert Basic
Meine Aussage zu seiner Forderung: Zuerst wird postuliert, dass der Staat kein Getränkeautomat sei, wenn man Durst habe, um ihn anzuzapfen. Im gleichen Atemzug fordert Herr Döpfner dann doch Staatshilfe ein, wenn es um die Regulierung der Inhalteverwertung geht. Als würde das Kopieren von Inhalten - selbst wenn es das wäre, wie Herr Döpfner es hinstellt -  das größte Problem darstellen. Ich würde an deren Stelle lieber erstmal qualitativ im Hause aufräumen, statt sich um das Kopieren schlechter Inhalte den Kopf zu zerbrechen, den vor allen Dingen das "größte und bedeutendste" Medienorgan produziert.


Mehr zum Thema Copyrights im Netz und Google News lesen Sie in der HORIZONT-Ausgabe 10/2009, die am Donnerstag dieser Woche erscheint.
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