Experte: Konjunkturpakete führen zur Umverteilung im Medienmarkt

Donnerstag, 22. Januar 2009

Neue Schulden, niedrige Zinsen, milliardenschwere staatliche Ausgabenprogramme: Politiker und journalistische Kommentatoren überbieten sich mit Forderungen nach immer neuen Geldflüssen - letztere wohl in der Hoffnung, dass auch für die eigene Branche etwas durchsickert. Nur wenige Experten schwimmen gegen den medialen Mainstream und warnen vor Inflationsgefahren, darunter so prominente wie Jürgen Stark, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank im "Manager Magazin" - aber auch weniger bekannte Stimmen wie der Hamburger Vermögensberater Udo Maß. Er denkt noch weiter und sagt: Durch eine steigende Inflation profitieren elektronische und digitale Medien sowie Gratisangebote. Seine Thesen: Derzeit sinken wegen geringer Nachfrage viele Güterpreise, so Maß. Außerdem gebe es einen großen statistischen Basiseffekt aus dem 1. Halbjahr 2008 durch damals sehr hohe Rohstoffpreise. Daher seien zur Zeit "deflationäre Tendenzen" zu beobachten, also sinkende Preise. Aber nicht mehr lange: Denn gleichzeitig versuchten die Notenbanken und Regierungen, mit niedrigen Zinsen, Staatsbürgschaften und gigantischen "Rettungspaketen" den Konjunkturrückgang zu dämpfen. "Mittelfristig führt das zu einer neuen Blase mit viel billigem Geld, das sich neue Anlagemöglichkeiten sucht", sagt Maß. Zugleich steige die Verschuldung der Volkswirtschaften weiter rapide an.

Aus dieser Situation gebe es realistischerweise nur einen Ausweg: eine kontrollierte Schulden- und Geldentwertung, also eine Inflationierung dadurch, dass immer mehr billiges Kreditgeld in den Markt gepumpt werde. Daher hält Maß spätestens ab Ende 2009 "einige Jahre lang, bei einem moderaten vordergründigen Wirtschaftswachstum, Inflationsraten von 4 bis 8 Prozent für wahrscheinlich". Damit entweiche die Luft aus dem Kreditballon.

Das habe Konsequenzen für Medienunternehmen. Zum einen im Werbemarkt: Beim inflationsgetriebenen Schein-Aufschwung befürchtet Maß Nachteile für diejenigen Gattungen, die viele Vorleistungen (Papier, Vertriebsdienste) einkaufen. Während Verlage etwa überlegen müssten, inwieweit sie ihre inflationären Kosten an ihre Kunden weitergeben, könnten elektronische Medien ihre Werbepreise, wenn überhaupt, nur wenig erhöhen - dadurch würde ihre Werbung, relativ gesehen, billiger. Und möglicherweise stärker gebucht.

Im Vertriebsmarkt sieht Maß Nachteile für Medien, deren Nutzung etwas kostet, also Zeitungen, Zeitschriften und Pay-TV. „Diese Anbieter werden sich überlegen müssen, inwieweit sie ihre Copy- und Abopreise weiterhin an die allgemeine Preissteigerung anpassen sollten", so Maß. In einem Umfeld, in dem alles deutlich teurer werde, bestehe die Gefahr, dass die Haushalte mehr auf Gratisangebote zurückgreifen, etwa Internet oder Free-TV. rp

Welche weiteren Folgen eine mögliche Inflation für Medienunternehmen haben könnte, lesen Sie im Interview mit Udo Maß in HORIZONT-Ausgabe 4/2009 vom 22. Januar 2009
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