Exklusiv: Thomas Garms bringt Lifestyle-Magazin "Trip" nach Deutschland

Mittwoch, 03. Februar 2010
Thomas Garms launcht ein neues Printmagazin in Deutschland
Thomas Garms launcht ein neues Printmagazin in Deutschland

Nach dem Aus für "Matador" und "Maxim" bekommen Deutschlands Männer endlich wieder neuen Lesestoff. Am 15. April kommt die erste Ausgabe des Lifestyle-Magazins "Trip" an den Kiosk. Herausgeber und Chefredakteur des neuen Titels ist kein Geringerer als Thomas Garms.  Der frühere Chefredakteur von "Hörzu" und "Welt am Sonntag" hatte im August 2009 seinen Posten als Vice President Business Development International bei Springer aufgegeben und sich selbstständig gemacht. Jetzt präsentiert er mit der deutschen Lizenzausgabe des aus Brasilien stammenden Magazins sein erstes großes Projekt. Wie sich "Trip", das 12 Mal pro Jahr in einer Auflage von 100.000 Exemplaren erscheint, im harten Wettbewerb durchsetzen soll, verrät Garms im Exklusiv-Interview mit HORIZONT.NET.

Cover der brasilianischen "Trip"
Cover der brasilianischen "Trip"
Herr Garms, braucht Deutschland wirklich ein neues Lifestyle-Männer-Magazin?

Ich sehe in Deutschland keine Zeitschrift, die glaubwürdig widerspiegelt, was in Männern wirklich vor sich geht. Die bestehenden Lifestyle- und Männermagazine zeigen fast ausschließlich eine perfekt inszenierte Parallelwelt, die mit dem realen Leben kaum etwas zu tun hat. Zumeist geht es um Statussymbole, Pseudo-Abenteuer, Lebensanleitungen und Mädchen als makellose Abziehfolien. "Trip" will den Mann aus dieser Klischee-Ecke herausholen. Männer sind oft vielschichtiger, als sie zugeben, und sie sind keine Dummbeutel, die sich nur für Bier und Fußball interessieren. Die Botschaft von "Trip" an die Männer ist: Leg deinen rebellischen Kern wieder ein Stück weit frei und bekenne dich zu deinem Lebensstil und deinen eigenen Gedanken.

Übernehmen Sie Texte aus der brasilianischen "Trip" oder setzen Sie auf eigene Autoren?

Beides. In den letzten 20 Jahren konnte ich ein Netzwerk hervorragender Autoren aufbauen. Mit dabei im ersten Heft sind unter anderem Andreas Altmann, Axel Brüggemann oder Peter Zingler. Aber ich werde auch die besten Artikel aus der brasilianischen Ausgabe übersetzen und adaptieren lassen.


Fakten zu "Trip"

Titel: "Trip“, deutsche Lizenzausgabe
Segment: Männerorientiertes Lifestyle-Magazin
Erscheinungsweise: 12 Ausgaben pro Jahr mit rund 140 Seiten
Erste Ausgabe: 15. April 2010, ab 16. September monatlich
Druckauflage: 100.000
Zielgruppe: 25-50 Jahre alt, überwiegend männlich, gebildet
Herausgeber und Chefredakteur: Thomas Garms
Art Direction: Heinze/Lenz/Zizka, Frankfurt/Main
Head of Sales: Rainer Gierke
Vertrieb: DPV

Welche Art von Geschichten wird man in "Trip" lesen?


Der mehrfache Kisch-Preisträger Andreas Altmann liefert eine Reportage aus Kambodscha, in der es um traumatisierte Opfer des Pol-Pot-Regimes geht. Wir waren in Teheran, wo die Tochter einen hohen islamischen Geistlichen im privaten Badehaus ihrer Eltern einen Rave veranstaltet hat. Wir stellen einen Visionär vor, der zeigt, wie sich mit vertical farming die Ernährungsprobleme der Menschheit lösen lassen. Das Besondere an "Trip" ist: Wir schreiben nicht aus sicherer Distanz, sondern lassen einen Reporter zu Wort kommen, der vor Ort mit dabei war. Auch Sexthemen kommen vor, allerdings ohne erhobenen Zeigefinger oder schlüpfrigen Zungenschlag.

Wird es auch Interviews und ausführliche Promi-Portraits geben?

Wenn es sich anbietet, aber nicht auf Krampf. Wir werden nicht diese typischen Interviews mit Prominenten haben, die gerade ihre neue CD oder ihren aktuellen Film promoten wollen. "Trip" geht tiefer und will zeigen: Wo sind die Brüche in einer Biographie und wie ist jemand so geworden, wie er ist. Wir interessieren uns auch nicht nur für Prominente. Und wenn Stars, dann eher jemand wie Ben Becker, Jürgen Vogel oder Xavier Naidoo als Boris Becker oder Johannes B. Kerner.

Jedes Männer-Magazin braucht Erotikstrecken. Wird es die auch in "Trip" geben?

"Trip" ist keine Herren-Zeitschrift, sondern ein männlich orientiertes Lifestyle-Magazin. Wir wollen am Kiosk eher neben "Neon", "Cicero" oder "11 Freunde" liegen und weniger neben  "FHM"". Aber, ja: Es wird in "Trip" in jedem Heft auch eine Erotik-Strecke geben. Das Besondere ist: Bei uns werden die Mädchen sehr natürlich und meist mit Tageslicht fotografiert. Es gibt keine schwülstigen Dekorationen, keine Shootings in teuren Luxus-Suiten und ganz sicher keine Silikon-Brüste. Es geht uns nicht darum, möglichst viel Nacktheit zu zeigen, sondern eine erotische Attitüde zu vermitteln.

Vita Thomas Garms

1990 – 1992: Ressortleiter „Playboy“
1992 – 1993: Chefredakteur „Prinz“
1993 – 1995: Chefredakteur „Fit for fun“
1995 – 1997: Chefredakteur „Men’s Health“
1997 – 2001: Geschäftsführender Herausgeber „Men’s Health“
2001 – 2003: Chefredakteur „Welt am Sonntag“
2003 – 2009: Chefredakteur „Hörzu“
2009: Vice President Business Development International Axel Springer AG

Bei Anzeigenkunden sehr beliebt sind Modestrecken...

In Brasilien kommen 30 Prozent des Anzeigenaufkommens aus dem Bereich Mode. Große Markenartikler wie Adidas, Nike, Diesel oder Timberland schalten durchgängig in "Trip". Unser Fokus wird auch in der deutschen Ausgabe auf Freizeitmode liegen. Es geht um eine gewisse Lebenshaltung und nicht um Haute Couture und Business-Mode. Wir werden diese Strecken selbst produzieren und auch hier auf Natürlichkeit Wert legen. In "Trip" wird Mode nicht künstlerisch verbrämt.

Arbeiten Sie nur mit freien Autoren oder wird es eine feste Redaktion geben?

Eine feste Redaktion ist ein absolutes Muss. Das erste Heft kommt Mitte April auf den Markt, ab September erscheint "Trip" dann monatlich. Ich führe aktuell viele Gespräche und werde bis Sommer die richtigen Leute für die Redaktion zusammen haben. Die erste Ausgabe produzieren wir noch in sehr schlanken Strukturen. Wir wollen jetzt erst einmal zeigen, was "Trip" ist - und natürlich hoffe ich auf eine positive Resonanz aus dem Markt.

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Ziemlich riskant ist es ja schon, in diesen Zeiten mit einem neuen Titel auf den Markt zu kommen.

Natürlich ist es ein Risiko, das ist mir sehr wohl bewusst. Ich gehe sicher nicht blauäugig an die Sache heran. Aber ich bin natürlich optimistisch. Ich beschäftige mich seit Jahren beruflich intensiv mit Männern und bin überzeugt, genau zu wissen, wie man diese Zielgruppe ansprechen muss. Bisher war ja auch fast alles, was ich gemacht habe, erfolgreich - angefangen mit "Men's Health". Das war im übrigen auch ein Lizenzprodukt, das ich für Deutschland adaptiert habe. Ich weiß also, worauf ich mich mit "Trip" einlasse. Interview: Jürgen Scharrer
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