Exklusiv: Ex-WAZ-Manager Gregor Stemmle bringt Flieger-Magazin

Mittwoch, 17. Februar 2010
Gregor Stemmle will Online-Marken in die Printwelt führen
Gregor Stemmle will Online-Marken in die Printwelt führen

Gregor Stemmle, bis Ende 2008 Vertriebschef der WAZ Mediengruppe und davor in Führungspositionen bei „Bild", geht unter die Verleger. Erster Projekt ist das Flieger-Magazin „Loopin", das ab April monatlich in einer Auflage von 40.000 Exemplaren erscheinen soll. Was Stemmle mit seiner Firma fflink sonst noch plant, verrät er im exklusiven Interview mit HORIZONT.NET.

Herr Stemmle, Sie waren als Manager in Führungspositionen bei Axel Springer und der WAZ Gruppe. Warum haben Sie sich 2009 als Verleger selbständig gemacht?

Meine beruflichen Wurzeln liegen im Familienunternehmen. Ich kenne also beide Seiten. Zur Zeit treibt mich das Unternehmertum - obwohl ich mich als Manager bei Axel Springer sehr wohlgefühlt und eine Menge gelernt habe.

Welche Idee steckt hinter Ihrer Firma fflink, deren alleiniger Eigentümer Sie sind?

Ich habe mir auf die Fahnen geschrieben, Online-Brands in die Printwelt zu führen. Ich sehe hier ein echtes Potenzial. Es gibt eine Menge Online-Content, der - entsprechend aufbereitet - in Print funktionieren könnte.

An welche Sites denken Sie?

Mein Grundsatz lautet: Die Site muss bereits eine hohe Reichweite haben und als Marke funktionieren. Darüber hinaus sollte sie redaktionellen wie auch User-generierten Content vorhalten. Ist das der Fall, steht einer Diversifizierung in Print eigentlich nichts entgegen. Das Printprodukt liefert nicht nur zusätzliche Funktionalitäten und macht die Marke haptisch erlebbar. Mit dem Auftritt des Printprodukts bieten sich zusätzliche Möglichkeiten, den Markenkern beziehungsweise die Markenbotschaft zu transportieren. Eine solche Ergänzung macht für viele Online-Angebote Sinn.

Fakten zu Loopin

Zielgruppe: Piloten, Flugschüler, Flugzeughalter

Erscheinungsweise: monatlich

Auflage: 40.000

Copypreis: Heft geht gratis an registrierte Nutzer

Aber offene Türen laufen Sie mit Ihrem Konzept bisher nicht ein?

Es gibt schon eine gewisse Skepsis der Online-Manager gegenüber der Printwelt. Sie erinnert sehr an die Skepsis der Verlagsleute gegenüber dem Internet vor 15 Jahren. Hinzu kommt, dass sich die Online-Marken im Krisenjahr 2009 stark auf ihr Kerngeschäft konzentriert haben und der Wille, neue Wege zu gehen, nicht so ausgeprägt war. Beides ändert sich gerade.

Wie könnte denn so eine Kooperation mit einer Internet-Firma aussehen?

Ich glaube an Print, habe aber größtes Verständnis, wenn das Management einer Online-Marke zögert, sich in das kerngeschäftsferne Feld einer Print Publikation vorzuwagen. Deshalb bin ich bereit, bei einer Kooperation auch unternehmerisches Risiko zu übernehmen. Hinsichtlich der Modelle bin ich völlig offen. Das können klassische Lizenzgeschäfte sein, aber auch andere Formen der Kooperation.

Weiterlesen: Alles zum neuen Magazin "Loopin"

Loopin erscheint monatlich in einer Auflage von 40.000 Exemplaren
Loopin erscheint monatlich in einer Auflage von 40.000 Exemplaren
Ihr Debüt als Verleger feiern Sie freilich mit einem ganz anderen Projekt, nämlich dem Titel „LOOPIN'", der im April zum ersten Mal erscheinen soll. Was steckt dahinter?

„LOOPIN'" ist eine Special-Interest-Zeitschrift, die sich an Piloten, Flugschüler und Flugzeughalter wendet. Das Besondere: „LOOPIN'" wird gratis in die Haushalte der Bezugsberechtigten geliefert. Der entsprechende Nachweis, wie Piloten-Lizenznummer oder Kennzeichen des Flugzeuges, wird bei der Registrierung abgefragt. Unser Vertriebskonzept orientiert sich an der Pay-Per-Click-Philosophie im Internet. Bei „LOOPIN'" wird es kaum Streuverluste geben.

Ist das Ganze nicht eher ein Liebhaber-Produkt? Schließlich sind Sie ja selbst begeisterter Pilot.

Natürlich ist es toll, wenn man seine private Leidenschaft und den Beruf verbinden kann - aber „LOOPIN'" ist jetzt nicht meine kleine Spielzeugeisenbahn. Ich lese seit Jahren intensiv Magazine, die sich an Privatpiloten wenden. Irgendwann bin ich auf die englische „LOOP" gestoßen und habe mich gefragt: Warum haben wir so ein Magazin nicht in Deutschland? Da kommt natürlich auch meine Vergangenheit bei „BILD" durch. Ich mag Titel, die emotional daherkommen und auf eine opulente Optik setzen.

Sie bringen „LOOPIN'" jetzt zusammen mit dem englischen Verlag auf den Markt?

Ja, ich habe mit der Loop Publishing (UK) eine deutsche GmbH im Joint-Venture gegründet. Gerade bauen wir eine gemeinsame Mantelredaktion und eine internationale Vermarktungs-Unit auf.

Welchen Umsatz peilen Sie an?

Der soll schon hoch sechstellig werden. Läuft alles nach Plan, ist „LOOPIN'" Mitte nächsten Jahres in den schwarzen Zahlen. Interview: Jürgen Scharrer
Meist gelesen
stats