Exklusiv: Bloomberg poliert "Businessweek" nach Übernahme auf

Donnerstag, 22. April 2010
Mit dem Relaunch will der Wirtschaftstitel endlich die Trendwende schaffen
Mit dem Relaunch will der Wirtschaftstitel endlich die Trendwende schaffen

"Mehr Klarheit, mehr Energie, mehr Bedeutung." Dieses Versprechen gibt das Magazin "Bloomberg Businessweek" in Zukunft seinen Lesern. Ab dem 26. April erscheint der Titel optisch und inhaltlich überarbeitet - die erste große Veränderung nachdem der internationale Nachrichtensender Bloomberg das hoch defizitäre Traditionsblatt im Dezember 2009 vom US-Medienunternehmen McGraw-Hill für geschätzte 5 Millionen US-Dollar übernommen hat. In Zahlen ausgedrückt heißt "Mehr": Der Heftumfang wird um 25 Prozent gesteigert, die Zahl der Beiträge verdoppelt und statt 47 Ausgaben erscheinen ab sofort 50 pro Jahr. "Im Wettstreit der Medienunternehmen während der Wirtschaftskrise war es der Leser, der am meisten gelitten hat: der Heftumfang vieler Titel ist geschrumpft, die Papierqualität hat sich verschlechtert und die Erscheinungsfrequenz wurde reduziert. Mit unserem Relaunch wollen wir einen Gegenpol setzen", erläutert Paul Bascobert, President von "Bloomberg Businessweek", im Gespräch mit HORIZONT.NET.

Er hofft, das Heft so stärker von der Konkurrenz abzuheben, hat doch "Forbes" seinen Erscheinungsrhythmus um 4 Ausgaben auf 20 heruntergeschraubt und bei "Fortune" fiel die Zahl von 25 auf 18 Ausgaben pro Jahr. Die Ziele von Bascobert: Die Reichweite von derzeit rund 4,7 Millionen Lesern pro Woche steigern und so neue Anzeigenkunden gewinnen, denn wie viele andere Wirtschaftstitel hat auch "Bloomberg Businessweek" stark unter den konjunkturbedingten Einbrüchen im Werbemarkt gelitten.

Weiterlesen

Paul Bascobert wechselte im Januar von Dow Jones & Company zu "Bloomberg Businessweek"
Paul Bascobert wechselte im Januar von Dow Jones & Company zu "Bloomberg Businessweek"
Inhaltlich gliedert sich "Bloomberg Businessweek" künftig in fünf Ressorts: "Globale Wirtschaft", "Politik", "Märkte und Finanzen", "Firmen und Branchen" sowie "Technologie". Neben Nachrichten spielen große Hintergrundbeiträge und Analysen eine wichtigere Rolle. "Ziel ist es, dass sich die Leser länger mit dem Heft beschäftigen", begründet Christoph Gerth, Regional Director von "Bloomberg Businessweek". Mehr Berücksichtigung sollen in Zukunft Lifestyle-Themen finden. Die Rubrik "Etc." bietet daher auf den letzten 10 bis 12 Seiten Tipps rund um Business-Reisen, Städte, Produkte und Essen. Damit will die Redaktion beweisen, dass sie die Zielgruppe der Entscheidungsträger ganzheitlich versteht, also nicht nur die reinen Business-Interessen berücksichtigt, sondern eben auch ihren Lebensstil. Während der Titel früher einen sehr starken Fokus auf den USA hatte, verfolgen die Blattmacher nun einen globaleren Ansatz. Insbesondere Wachstumsmärkte wie Asien und der Nahe Osten sollen mehr Platz bekommen.

Weiterlesen

Christoph Gerth wechselte im März zu dem Wirtschaftstitel. Vorher war er bei Gruner + Jahr tätig
Christoph Gerth wechselte im März zu dem Wirtschaftstitel. Vorher war er bei Gruner + Jahr tätig
Um dem Leser die Navigation zu erleichtern, wurde im Zuge des Relaunchs das Inhaltsverzeichnis grundlegend überarbeitet. So soll ein Farbleitsystem innerhalb des Heftes eine schnelle Orientierung ermöglichen. Das Layout wurde ausgemistet, um insgesamt einen klareren Look zu erzielen. "Das Design soll nicht dominieren. Es ist der Beitrag, der zählt", sagt Herausgeber Josh Tyrangiel.

Um sich am Kiosk gegenüber den Wettbewerbern zu behaupten, wurde auch das Cover renoviert. Auf der Titelseite werden mit zusätzlichen Infokästen in Zukunft acht bis zehn Themen angeteasert - also mehr als bislang. Um die Zusammengehörigkeit zu demonstrieren haben nach dem Relaunch die Unternehmensnamen Bloomberg und Businessweek im Logo die gleiche größer. Nach der Übernahme im Dezember wurde Bloomberg nur klein in das Markenzeichen integriert oder besser gesagt versteckt.

Kommuniziert wird der Relaunch mit einer Kampagne in zielgruppenrelevanten Medien. Zum Einsatz kommen Printanzeigen, Online-Ads sowie Out-of-Home-Werbung in großen Metropolen. Der Claim lautet "The New Bloomberg Businessweek. Reinvented. Redesigned. Reimagined." Die Kreation verantwortet die Werbeagentur JWT. bn
Meist gelesen
stats