Existenznot: "Junge Welt" bittet Leser um mehr Abos

Montag, 08. Oktober 2012
Die "Junge Welt" kampft ums Überleben
Die "Junge Welt" kampft ums Überleben

Die linke Tageszeitung "Junge Welt" steht am Rande der Existenz: Bis zum Jahresende rechnet das Blatt, das sich allein über Abonnements und Spenden finanziert, mit einem Minus von 140.000 Euro. In einem offenen Brief an seine Leser wirbt das Blatt nun um mehr Abonnenten, um den wirtschaftlichen Betrieb aufrecht erhalten zu können. Für die finanzielle Schieflage machen Verlag und Redaktion drei Hauptgründe aus. Da sind zum einen die gestiegenen Kosten für Personal und Zeilenhonorare sowie erhöhte Gebühren bei Post und anderen Zustelldiensten, mit denen die Einnahmen des Berliner Verlages nicht mithalten können. Weiterhin belasten "juristische Angriffe" Dritter den Geschäftsbetrieb und den Haushalt, zudem können sich zahlreiche Leser ein Abonnement der "Jungen Welt" nicht mehr leisten, obwohl die Zeitung ihren Lesern mit Bezahlmodellen wie dem Sozialabo bereits entgegen kommt. "Im Ergebnis heißt das, daß wir die junge Welt subventionieren", heißt es in dem Schreiben.

Zwar habe man die Abozahlen und den Kioskverkauf stabil halten oder steigern können. Dennoch stünden in diesem Jahr bereits Verluste von 100.000 Euro zu Buche, die bis Ende des Jahres voraussichtlich auf 140.000 Euro anwachsen werden. Dabei müsste die "Junge Welt" eigentlich Geld ausgeben, statt zu sparen: Wie der Verlag zugibt, wird die Zeitung mit veralteter Hardware hergestellt und müsste eigentlich technisch dringend auf Vordermann gebracht werden. Zudem müssen die Mitarbeiter mit einem Gehalt zurecht kommen, das nicht "für ein einigermaßen sorgenfreies Wirtschaften" ausreicht.

Doch um die Einnahmensituation durch höhere Abozahlen zu verbessern, muss die Zeitung überregional bekannt sein. "Auch wenn wir vieles durch Engagement, Originalität und Leserunterstützung ausgleichen, sind dafür erhebliche ökonomische Mittel für Werbung und Aktion nötig. Die stehen uns nicht ausreichend zur Verfügung." Deswegen müssen jetzt die Nutzer ran: Gelegenheitsleser und Onliner ohne Abonnement sollen ein solches abschließen. Auf der internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz am 12. Januar 2013 in Berlin wolle man dann Bilanz ziehen.

Die "Junge Welt" wurde 1947 als Zentralorgan der "Freien Deutschen Jugend" in der DDR gegründet. Nach der Einstellung des Blattes 1995 wurde es durch Einrichtung eines Genossenschaftsmodells nach Vorbild der "taz" wiederbelebt. Heute hat die "Junge Welt" eine Auflage von rund 17.000 Exemplaren. Chefredaktuer ist Arnold Schölzel, Geschäftfsührer ist Dietmar Koschmieder. Die ihrem Selbstverständnis nach marxistisch orientierte Zeitung wird vom Verfassungsschutz beobachtet. ire
Meist gelesen
stats