Ex-RTL-Chef Thoma: "Nur Geld rausholen"

Mittwoch, 11. August 2010
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Ex-RTL-Chef Helmut Thoma geht mit den Eigentümern der beiden großen deutschen privaten TV-Gruppen hart ins Gericht. Im Interview mit dem "Kölner Stadtanzeiger" kritisiert er sowohl den Umgang von Bertelsmann mit seiner Cashcow RTL Group als auch das Agieren der Finanzinvestoren KKR und Permira bei Pro Sieben Sat 1. "Bertelsmann sieht RTL ausschließlich als Geldablieferungsmaschine", sagt Thoma dem Blatt. Der Gütersloher Medienkonzern hätte seine TV-Tochter vor zehn Jahren verkaufen sollen, glaubt er. "Mit dem Geld hätten sie dann Unternehmen kaufen können, die besser zu Bertelsmann gepasst hätten." Der Sparkurs belaste das Unternehmen und sei auch nicht im Sinne der Zuschauer.

Auch für RTL-Wettbewerber Pro Sieben Sat 1 findet Thoma harte Worte. "Pro Sieben Sat 1 ist ja nicht wirklich ein Konkurrent. Die wollen auch nur Geld rausholen und verstehen überhaupt nichts vom Fernsehgeschäft", so Thoma über die beiden Finanzinvestoren, die dem TV-Unternehmen durch den Zwangskauf von SBS Schulden von über 3 Milliarden Euro aufgebürdet haben. Allein die Duopolsituation in Deutschland mache möglich, dass KKR und Permira mit Pro Sieben Sat 1 trotzdem Geld verdienen.

Das Duopol von Pro Sieben Sat 1 und der Mediengruppe RTL Deutschland, die hierzulande im Gesamtzuschauermarkt auf über 40 Prozent Marktanteil kommen, sorge dafür, dass "die deutsche Fernsehlandschaft wirklich enorm verarmt ist". Thoma schlägt vor, die gesetzliche Grenze beim Zuschauermarktanteil von 30 auf 20 Prozent herabzusetzen. "Es würde ein dritter oder vierter Anbieter entstehen, und es würde wieder Leben in die Fernsehlandschaft kommen", glaubt er. pap
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