Ex-Bertelsmann-Manager klagen Schadenersatz ein

Freitag, 12. Dezember 2003

Bertelsmann soll zwei Ex-Managern Schadenersatz in Millionenhöhe zahlen. Ein Geschworenengericht im kalifornischen Santa Barbara befand den Gütersloher Konzern des Vertragsbruchs für schuldig. Die Kläger Jan Henric Buettner und Andreas von Blottnitz hatten einen „fairen Anteil“ an den 6,75 Milliarden Dollar gefordert, die Bertelsmann 2000 für den Verkauf seiner Anteile an AOL Europe an den US-Konzern Time Warner bekommen hatte. Dies wurde ihnen nach eigenen Angaben vom damaligen Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff zugesagt. Der Konzern zeigte Unverständnis über den Juryspruch und erwägt eine Berufung.

Die Höhe des von der Jury empfohlenen Schadenersatzes wurde unterschiedlich eingeschätzt. Nach Angaben von Kläger-Anwalt Bill Price würden jedem seiner Mandanten nach dem Spruch der Geschworenen umgerechnet 104,6 Millionen Euro zugesprochen, so dass Bertelsmann zur Zahlung von mindestens 209 Millionen Euro verpflichtet wäre. Allerdings könne die Jury auch so verstanden werden, dass beide Kläger für jeden der vier Anklagepunkte je 104,6 Millionen Euro bekommen sollten, sagte er. Dann ergäbe sich eine Gesamtsumme von 837 Millionen Euro. Bertelsmann wies diese Darstellung zurück. Die Anklagepunkte aus dem gleichen Verfahren könnten nicht addiert werden, sagte ein Unternehmenssprecher. Aber auch die Zahlung von 209 Millionen Dollar sei „nicht akzeptabel“.

Sollte der Richter, der die endgültige Entschädigungssumme nun festsetzen muss, der Empfehlung folgen, werde der Konzern prüfen, einen neuen Prozess anzustrengen oder in die Berufung zu gehen. In der kommenden Woche ist eine Anhörung zum Juryspruch geplant; erst danach will der Richter ein endgültiges Urteil sprechen. Bertelsmann-Chefjustitiar Ulrich Koch kritisierte, die „Entscheidung der Jury werde der Faktenlage und dem in diesem Fall angewandten deutschen Recht nicht gerecht.“ Buettner und von Blottnitz seien als angestellte Geschäftsführer "großzügig vergütet" worden.“ nr
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