Europäischer Gerichtshof verbietet exklusive Verbreitung von Fußballspielen

Dienstag, 04. Oktober 2011
Sky bekommt womöglich bald unliebsame Konkurrenz
Sky bekommt womöglich bald unliebsame Konkurrenz


Es ist eine Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen und ein Schlag für Sky Deutschland. Die Exklusiv-Vermarktung von Fernsehrechten im Profifußball, wie sie derzeit gang und gebe ist, darf in dieser Form nicht weiter betrieben werden. Heute hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) anhand eines Falls in Großbritannien entscheiden, dass ausländische Decoderkarten zum Empfang von Sportübertragungen nicht verboten werden dürfen.
Das bedeutet im Klartext, dass in Deutschland neben Sky Deutschland auch Pay-TV-Anbieter aus anderen Ländern ihre Sportangebote anbieten können. Der seit Gründung defizitäre Pay-TV-Anbieter würde damit sein wichtigstes Alleinstellungsmerkmal verlieren. Geht die Exklusivität der Rechte verloren, dürfte Sky entsprechend auf eine Anpassung der Rechtekosten drängen.

Der Hintergrund: Die britische Wirtin Karen Murphy hatte in ihrem Pub in Portsmouth ein Abo des griechischen Senders Nova erworben, um die Premier League auszustrahlen. Es war deutlich billiger als das des britischen BSkyB. Der Premier-League-Dienstleister Media Protection Services hatte daraufhin geklagt.

17. Deutsche Sponsoringtage

17. Deutsche Sponsoringtage
Was bedeutet der EuGH-Entscheid für die Vermarktung der Fußball-Bundesliga? Eine Antwort darauf gibt es auch auf den 17. Deutschen Sponsoringtagen von HORIZONT und The Conference Group am 9. und 10. November in Wiesbaden. Dr. Hermann Schlindwein, Partner bei der Kanzlei Klinkert Zindel Partner, erklärt dort die Folgen des Falls Karen Murphy für die TV-Vermarktung. Anschließend diskutiert DFL-Chef Christian Seifert mit Medienvertretern von Sky und Co. über die bevorstehende Neu-Ausschreibung der Medienrechte. Alle Infos zum Event und das komplette Programm: Conferencegroup.de/sponsoringtage11

Laut EuGH verstoßen exklusiv vergebene Fußballrechte gegen EU-Recht, da damit der Binnenmarkt wieder in nationale Märkte getrennt wird. "Nationale Rechtsvorschriften, die die Einfuhr, den Verkauf und die Verwendung ausländischer Decoderkarten untersagen, verstoßen gegen den freien Dienstleistungsverkehr", schreibt das Gericht in seiner Urteilsbegründung. Daher verstoße auch "ein System exklusiver Lizenzen auch gegen das Wettbewerbsrecht der Union, wenn die Lizenzverträge es untersagen, ausländische Decoderkarten Fernsehzuschauern zur Verfügung zu stellen, die die Sendungen außerhalb des Mitgliedstaats sehen wollen, für den die Lizenz erteilt wurde".

Sender wie Sky müssen nun künftig Konkurrenz durch ausländische Anbieter befürchten. Die Aktien des Pay-TV-Anbieters verloren nach dem Bekanntwerden des Urteils zeitweise bis zu 5 Prozent.

Ein Schlag ist der Entscheid auch für die Fußball-Bundesliga, die bei der bevorstehenden Neu-Ausschreibung der Medienrechte nun mit einer Wertminderung des Pay-TV-Pakets rechnen muss. Dennoch zeigt sich die Deutsche Fußball Liga (DFL) in einem offiziellen Statement zunächst wenig überrascht: „Dieses Urteil hat sich nach der Stellungnahme der Generalanwältin abgezeichnet." Weiter heißt es: "Dennoch müssen wir feststellen, dass auf europäischer Ebene die von den Rechte-Nachfragern akzeptierte Praxis mit individuellen Rechte-Zuschnitten für unterschiedliche Gebiete trotz zahlreicher Warnungen in Frage gestellt wird. Wir werden nun die Urteilsbegründung hinsichtlich möglicher Konsequenzen prüfen." Wie diese aussehen könnten, bleibt offen. Unklar ist auch, inwieweit der Entscheid den bestehenden Vertrag mit den Pay-TV-Partnern Sky und Deutsche Telekom tangiert und Nachverhandlungen nötig macht, weil eine territoriale Exklusivität entsprechend bepreist wurde. pap/dh/mh
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