"Es ist vorbei": SchülerVZ wird Ende April dicht gemacht

Dienstag, 09. April 2013
Das Symbol links unten darf gestrichen werden: SchülerVZ wird abgeschaltet
Das Symbol links unten darf gestrichen werden: SchülerVZ wird abgeschaltet


Der Patient: SchülerVZ. Die Diagnose: Anhaltender Mitgliederschwund. Die Notfallmaßnahme: Stecker ziehen. Am 30. April gehen bei SchülerVZ die Lichter aus, wie die soziale Plattform auf ihrer Homepage mitteilt. Ein Vorgriff auf das drohende Schicksal der ebenfalls darbenden Schwesterplattformen StudiVZ und MeinVZ soll dies aber nicht sein: Deren Niedergang soll durch die Entwicklung neuer Apps aufgehalten werden. "Wir machen s kurz: Es ist vorbei. SchülerVZ wird am 30. April 2013 geschlossen. Für immer." Dies und ein paar knappe Worte des Danks sowie Informationen darüber, was nun mit den Daten der Nutzer passiert - mehr gibt es zum Abschied von den Betreibern nicht. Schon gar keine Angabe von Gründen für das Aus der Plattform. Die liegen jedoch auf der Hand: Nachdem SchülerVZ nach seinem Start im Jahr 2007 zu Hochzeiten bis zu 5 Millionen Mitglieder verzeichnete, sollen es zuletzt nur noch 200.000 gewesen sein.

Auch der neue Betreiber Vert Capital, der den VZ-Betreiber Poolworks im vergangenen Jahr von Holtzbrinck übernahm, konnte den grassierenden Mitgliederschwund offenbar nicht aufhalten. Dadurch standen Aufwand und Ertrag zuletzt wohl in keinem angemessenen Verhältnis mehr: "Spiegel Online" vermutet, dass sich die Betreuung des Netzwerks vergleichsweise aufwändig gestaltete. Und das bei einer Nutzerschaft, die sich einem Bericht des Radiosenders 1Live zufolge zu einem Gutteil aus Fake-Profilen zusammensetzt.

Joseph Nejman im Bericht bei "Bild.de" (Bild: Screenshot Bild.de)
Joseph Nejman im Bericht bei "Bild.de" (Bild: Screenshot Bild.de)
Die Hoffnungen der Eigentümer ruhen nun auf den noch verbliebenen VZ-Angeboten StudiVZ und MeinVZ. Gegenüber "SpOn" ließ Vert Capital verlauten, dass eine Vielzahl der Mitglieder von SchülerVZ ohnehin schon ein Profil bei den Schwesterplattformen habe. Der Mann, der wieder für Leben in der VZ-Bude sorgen soll, ist Joseph Nejman, der die VZ-Netzwerke seit Dezember 2012 leitet. In einem - wohlgemerkt vor dem Aus von SchülerVZ erschienenen - "Bild"-Bericht erläutert der 32-Jährige, dass die verbliebenen Plattformen des Unternehmens selbst nicht mehr weiterentwickelt, sondern nur noch von einem externen Dienstleister "verwaltet" würden.

Die Attraktivität der sozialen Netzwerke solle stattdessen durch "ergänzende Apps" gesteigert werden. Eine davon launchten die VZ-Netzwerke vergangene Woche: BilderVZ ist eine Foto-Community, auf der die Nutzer Bilder hochladen und teilen können. Ein Zugang ist mit bestehenden VZ-Accounts möglich. Mit dieser Strategie wolle man die Mitgliederzahl "auf 1,5 bis 2 Millionen einzelne Nutzer pro Monat steigern oder mindestens stabil halten", so Nejman zur "Bild".

"Zu deutsch für globalisierte Welt"

Entwicklung der Visits der VZ-Netzwerke Dez. 2010 - Dez. 2012

#CHB+75160#
Offenbar sollen die verbliebenen VZ-Netzwerke mit aller Kraft am Leben gehalten werden - womöglich, um den Eindruck von Optimismus zu wecken, wie Martin Weigert bei "Netzwertig.com" vermutet. Anders dürfte es kaum sein. Denn was könnten die VZ-Netzwerke ihren Nutzern anbieten, das es nicht schon längst woanders gibt? Im virtuellen Gruppenraum geben Facebook und mit Abstrichen Google+ oder Linkedin den Ton an. "Das Ende von SchülerVZ beweist, dass nationale Insellösungen im globalisierten Social Web kaum tragen. Seit Facebook 2010 auch nichtamerikanische Kernmärkte ernst zu nehmen begann, war das Schicksal der missliebigen lokalen Konkurrenten von der VZ-Gruppe besiegelt", kommentiert Gerald Hensel, Strategy Director bei der Agentur Scholz & Friends in Berlin. "Menschen wollen Social-Media-Lösungen, die ihnen beim sinnvollen Vernetzen helfen. Dazu war die VZ-Gruppe einfach zu deutsch für eine globalisierte Welt."

Zuletzt verzeichneten die VZ-Netzwerke noch insgesamt 1,2 Millionen Nutzer. Der Niedergang in den Zugriffszahlen ist allerdings beispiellos: Seit Dezember 2010 sank die monatliche Zugriffsrate von 347 Millionen auf nur noch magere 23 Millionen zwei Jahre später (siehe Chart). Seit Januar 2013 werden die VZ-Netzwerke gar nicht mehr von den IVW gelistet. ire
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