"Es ist vorbei": Die Kommentare zur Absage von Hape Kerkeling bei "Wetten, dass ...?"

Montag, 07. November 2011
Der Look hätte gepasst: Hape Kerkeling am Samstag bei "Wetten, dass...?"
Der Look hätte gepasst: Hape Kerkeling am Samstag bei "Wetten, dass...?"


Am Samstag kurz nach 22 Uhr platzte der Traum der deutschen Fernsehnation: Hape Kerkeling erteilte Thomas Gottschalk vor 10 Millionen Zuschauern eine Absage. Der Entertainer will "Wetten, dass...?", diesen letzten großen Tanker der TV-Unterhaltung in Deutschland, nicht übernehmen. Das ZDF, das zuletzt offensichtlich voll auf Kerkeling gesetzt hatte, steht damit wieder am Anfang. Bedeutet die Absage des Favoriten nun womöglich sogar das Ende von "Wetten, dass ...?" HORIZONT.NET dokumentiert die Kommentare zum Drama um "Wetten, dass ...?".

Kai-Hinrich Renner, "Hamburger Abendblatt"

"Es spricht viel dafür, dass die Zuschauer des ZDF am Sonnabend kurz nach 22 Uhr erlebten, wie das Ende einer Epoche angekündigt wurde. Denn um diese Zeit fragte Thomas Gottschalk Hape Kerkeling, ob er bereit sei, sein Nachfolger als Moderator von "Wetten, dass?..?" zu werden. Kerkeling antwortete freundlich, aber bestimmt: "Nein, ich möchte nicht." Wenn sie beim ZDF klug sind, werden sie nun die Suche nach einem neuen Moderator aufgeben und "Wetten, dass?..?" nach Gottschalks letzter Show im Dezember einstellen. (...)

Wie man es auch dreht und wendet: Das deutsche Fernsehen steht vor einem Epochenbruch. Die große Sonnabend-Show, die einst Moderatoren wie Peter Frankenfeld und Hans-Joachim Kulenkampff begründeten und Rudi Carrell und Frank Elstner weiterentwickelten, wird es bald nicht mehr geben. Mit Gottschalks Abschied von "Wetten, dass?..?" endet ein Kapitel deutscher Fernsehgeschichte."

Stefan Kuzmany, Spiegel Online

"Es ist schwer, sich das einzugestehen, aber mit der Absage Hape Kerkelings ist das Ende von "Wetten, dass..?" besiegelt. Selbst wenn das ZDF bis Dezember noch eine erstaunlich mutige Person finden würde, die sich die Aufgabe zutraut, das Hochamt der deutschen Fernsehunterhaltung zu übernehmen - diese Person hätte verloren, schon bevor sie zum ersten Mal die Zuschauer in Deutschland, Österreich und der Schweiz begrüßen konnte. Zu lange haben die Mainzer den zögerlichen Kerkeling umworben. Wer jetzt noch kommt, ist zwangsläufig beschädigt - denn er oder sie wäre nur noch die zweite Wahl. Eine Notlösung.

Für herkömmliche Fernsehschaffende wäre es nicht möglich, diesen Makel jemals abzuschütteln. Um als Retter in der Not auftreten zu können, müsste ein aktueller Gottschalk-Nachfolger also schon jetzt eine so allumfassende Souveränität ausstrahlen, dass niemand auf die Idee käme, ihn als Lückenbüßer zu begreifen.

Im deutschen Fernsehen gibt es nur zwei Männer, die die nötige Erfahrung, das nötige Format haben, leider keine Frau: Günther Jauch und Harald Schmidt. Doch beide werden es nicht machen."

Angelika Wölke, "Westdeutsche Allgemeine Zeitung"

Der Topfavorit für die Gottschalk-Nachfolge, Hape Kerkeling, hat dem Flaggschiff der deutschen Samstag-Abend-Show eine Absage erteilt. Das mag im ersten Moment überraschen, ist eigentlich aber logisch. (...) Der bodenständige Kerkeling feiert vor allem und zu Recht seine eigene Wandlungsfähigkeit von Königin Beatrix bis Horst Schlämmer. So richtig passt das nicht ins bisherige Konzept. Vielleicht hat er das erkannt. Denn das gute alte ZDF ist nicht gerade bekannt für visionäre Neuanfänge. Die Gefahr ist groß, dass nach der Kerkeling-Absage die ehemalige Kultsendung in die Bedeutungslosigkeit versinkt. Denn eine Gefahr hat Kerkeling klar gemacht: Wer Gottschalk ersetzen könnte, traut sich nicht. Wer sich traut, unterschätzt womöglichlich die Herausforderung.

Matthias Kalle, Der Tagesspiegel

"Als Thomas Gottschalk 1987 "Wetten, dass...?" übernahm, war er 37 Jahre alt, für damalige Fernsehverhältnisse ein junger Mann. Jörg Pilawa ist 46, Anke Engelke 45, fast alle Personen, die jetzt genannt werden, sind jenseits der 40, und das beweist vor allem, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen nicht gerade versucht hat, Talente zu finden und sie aufzubauen. Und deshalb fällt einem jetzt, nach Kerkelings Absage, auch nur ein 45-jähriger Mann ein, der seine Fernsehkarriere beim Musikfernsehen begann und seitdem bei den Privaten zeigt, wie TV-Unterhaltung funktioniert: Stefan Raab.

Irgendwann werden wir ja doch erfahren, wer in Zukunft "Wetten, dass...?" moderiert, aber eigentlich ist es auch egal. Irgendeiner wird sich schon finden, und ein paar Millionen werden es sich anschauen, und die Kritiker werden es natürlich furchtbar finden und an Gottschalk erinnern und Kerkeling hinterher trauern, den wir zum Schluss noch einmal zitieren wollen mit einem Satz, den am Samstagabend dann alle sangen bei "Wetten, dass...?", weil er am Samstagabend stimmte: "Es lebe hoch das deutsche Fernsehen!"

Dreimal hoch.

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