"Es geht nicht nur um Reichweite": Interview mit Sevenload-CEO Axel Schmiegelow

Donnerstag, 05. Februar 2009
Axel Schmiegelow, Geschäftsführer Sevenload
Axel Schmiegelow, Geschäftsführer Sevenload

Die Partnerschaft zwischen MTV Networks Germany und der Videoplattform Sevenload, die künftig Sendungen wie "Sponge Bob Schwammkopf" oder "MTV Made" zeigt, ist für Sevenload-Geschäftsführer Axel Schmiegelow auch ein Signal an andere Sender. Im Gespräch mit HORIZONT.NET verspricht Schmiegelow den TV-Sendern mehr Reichweite und zusätzliche Erlöse ohne das Risiko der Kannibalisierung.

Warum hat sich MTV für eine Hochzeit mit Sevenload entschieden?

MTV erhofft durch die Partnerschaft eine genauere Ansprache ihrer Zielgruppe. Wir lassen MTV auch Spielraum für die eigene Handschrift und eine klare Differenzierung. Zudem haben wir ein gutes gemeinsames Vermarktungsmodell aufgestellt.

Wie sieht das aus?
Bei der Vermarktung gehen wir gemeinsam vor. MTV vermarktet die Inhalte im Sevenload MTV Kanal und wir unterstützen sie mit crossmedialen Paketen zur Reichweitensteigerung.

Was folgt daraus das?
 Uns geht es nicht nur darum Reichweite zu generieren. Wir legen Wert darauf, dass das jeweilige Umfeld passt. Denn dann ist die Werbewirksamkeit am höchsten.

Das klingt, als sei Sevenload an einer Zusammenarbeit mit dem Video-Werbenetzwerk Tremor Media, das eher an Reichweiten orientiert ist, weniger interessiert?
Ich will das nicht für immer ausschließen. Aber im Moment ist das kein Thema.

Darf man daraus schließen, dass die Höhe der TKP bei Sevenload noch zufriedenstellend ist?
Guter Content braucht einen entsprechenden Preis.

Wie hoch ist denn der Brutto-TKP? Beim Medienkongress DLD gab es da ja ein wenig Brutto-Netto-Verwirrung.
Wir gehen mit 50 Euro Brutto vor Rabatten in den Markt und bleiben unserer Linie treu.

Entfernt sich Sevenload mit der Kooperation weiter von seinem User-Generated-Content-Erbe hin zur reinen Entertainment-Plattform?
Wir sehen keinen Gegensatz zwischen den kleinen Produzenten und den großen Anbietern. Wir sehen den Gegensatz eher zwischen schlechtem und hochwertigem Content. Der kann auch von einem Einzelkämpfer kommen. Wir haben inzwischen über 840 Formate, davon ist nur ein Bruchteil von großen, kommerziellen Anbietern.

Inwieweit kann eine Kooperation mit einem Big Player auch die Vermarktung kleinerer Formate erleichtern?
Sicherlich gibt es Abstrahleffekte, wenn ein Werbepartner die Plattform insgesamt auf Relevanz abklopft.

Big Brother, Verbotene Liebe und nun MTV auf Sevenload. Entwickelt sich die Plattform zum Vollprogramm?
Wir haben immer schon gesagt, dass wir das Fernsehen der Zukunft sind und werden demnächst noch weitere starke Partner präsentieren. Am liebsten wäre uns natürlich, wenn möglichst viele TV-Sender ihre Formate neben ihren eigenen Plattformen auch bei uns distribuieren.

Auf Kosten der Reichweite in den eigenen Kanälen?
Das ist für die TV-Sender keine Kannibalisierung der Reichweite. Es kann sie dagegen sogar steigern. Diese Reichweitenverlängerung haben wir mit Big Brother und Verbotene Liebe bewiesen.

Inwieweit liefert die Finanzkrise da angesichts der Suche nach weiteren Erlösquellen zusätzliche Argumente?
Es ist zu schwer, jetzt schon Bilanz zu ziehen, aber wir sind zuversichtlich. Salomonisch gesagt: In der Krise ist Sevenload eine Chance zusätzliche Erlöse zu erzielen, weil wir eine gute Werbeauslastung anbieten können. Interview: Olaf Kolbrück
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