Enzyklopädie nur noch im Netz - Brockhaus baut kräftig um

Dienstag, 12. Februar 2008
Anzeigen für den gedruckten Brockhaus wird es nicht mehr geben
Anzeigen für den gedruckten Brockhaus wird es nicht mehr geben

Die Traditionsfirma Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus will ihr Zugpferd, die 30-bändige Brockhaus-Enzyklopädie, zu einer reinen Web-Plattform umbauen. Die 21. Auflage des Werks wird aller Voraussicht nach die letzte sein, die noch auf Papier erschien. Generationen von Lesern kennen das Werk, das selbst zum Synonym für Enzyklopädien geworden ist. Nun baut sich die Marke radikal um. Hauptgrund sind nach Unternehmensangaben die erwarteten Millionenverluste des vergangenen Jahres. Inzwischen hat der Verlag die in Leipzig ansässige Redaktion in eine reine Online-Redaktion umgewandelt. Am 15. April soll das Portal "Brockhaus online" freigeschaltet werden, in das der Verlag nach eigenen Angaben "massiv investiert" hat. Brockhaus verspricht den Kunden "neue Maßstäbe in der multimedialen Ausstattung". Verantwortlich zeichnet "Brockhaus online"-Chefredakteurin Sigrun Albert. Die Journalistin war zuvor mehrere Jahre Redaktionsleiterin von Brigitte.de und YoungMiss.de. Das Portal soll sich durch Werbung finanzieren.

Der Wechsel der Enzyklopädie in das World Wide Web ergebe sich aus dem veränderten Nutzerverhalten, heißt es im Haus. Für die Buchung auf der neuen Website greift das Unternehmen auf externe Hilfe zurück. Welche Agentur das sein wird, will das Unternehmen erst beim Launch bekannt geben. "Wir werden nicht allein loslegen, sondern mit geeigneten Partnern", so Pressesprecher Klaus Holoch gegenüber HORIZONT.NET. Ob zu den Partnern auch andere Markenartikler oder Medienunternehmen gehören, wollte er nicht kommentieren.

Ab Herbst 2008 soll darüber hinaus ein weiteres Wissensportal gelauncht werden, das sich als werbefreies Angebot an die Schulen wendet. Von der Umstrukturierung werden auch Mitarbeiter des Bibliographischen Instituts betroffen sein. Wohl 50 der insgesamt 250 Mitarbeiter an den Standorten Mannheim und Leipzig müssen ihren Hut nehmen. Man plane aber einen sozialverträglichen Stellenabbau, so Unternehmenssprecher Holoch. tk



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