Entwicklung der Werbung hält mit Boom mobiler Internetnutzung nicht Schritt

Mittwoch, 20. Januar 2010
Thorsten Dirks glaubt an den schnellen Durchbruch des mobilen Internets
Thorsten Dirks glaubt an den schnellen Durchbruch des mobilen Internets

Die mobile Onlinenutzung hat den Durchbruch geschafft – wenn auch deutlich später als erhofft. Erst zehn Jahre nach dem Beginn des UMTS-Ausbaus gehen 10 Prozent der Mobilfunkkunden via Handy ins Internet. "Die Durchdringung zum Massenmarkt wird nun aber sehr schnell erfolgen", ist sich Thorsten Dirks in seinem Impulsreferat zum Mobile Panel des 2. Deutschen Medienkongresses sicher. Das Wachstum des mobilen Werbemarkts – so der CEO der E-Plus-Gruppe – sei jedoch kein Selbstläufer. "Wir müssen den Verbrauchern die Angst nehmen vor Spam auf dem Handy", mahnt Dirks. Der Fokus müsse darauf liegen, den Mehrwert aufzuzeigen und die Akzeptanz zu erhöhen. Deshalb sollten die Verbraucher besser über den Umgang mit ihren persönlichen Daten informiert werden. Auch Thomas Strerath, CEO Ogilvy Germany, verweist auf die Akzeptanzhürden für mobile Ads, da sie als störend empfunden würden.

Großes Potenzial erkennt Strerath hingegen bei Mobile Apps – vor allem mit Blick auf die Kundenbindung: "Der User beschränkt sich auch bei der Onlinenutzung auf durchschnittlich acht Seiten. Noch stärker ist dieser Effekt bei Applikationen, die heruntergeladen werden müssen. Einmal installiert, funktioniert sie wie eine Wettbewerbshürde, da der User kein weiteres ähnliches Tool herunterladen wird."

Allerdings dürfte der derzeitige Boom der Apps nur von kurzer Dauer sein, wie YOC-Chef Dirk Kraus einwendet, da die Features schrittweise wieder in die Browser zurückverlagert werden. Auch Robert Bosch, Managing Director Sales Axel Springer Media Impact, glaubt an eine Re-Integration. Nach dem Start der "Bild"-App am 9. Dezember wurde diese bislang 100.000mal heruntergeladen – allerdings nicht auf Kosten des WAP-Portals, das seitdem 15 Prozent Wachstum verzeichnet. Die meistgenutzte Applikation sei das E-Paper der Bild-Zeitung.

Dass Printinhalte auf mobilen Geräten gut und sogar besser als bei der klassischen Onlinenutzung funktionieren, konstatiert auch Silke Springensguth, Geschäftsführerin DuMont Net. "Wir waren überrascht, aber die User scrollen auf dem Handy sogar längere Texte und zeigen eine längere Verweildauer."  Dennoch sieht Springensguth Mobile als eigenständiges Medium, das jedoch noch nicht komfortabel genug zu nutzen sei. joz
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