Entscheidung gefallen: "Spiegel" beendet Sonntagsvertrieb

Donnerstag, 02. April 2009
Spiegel-Manager Hass beendet Sonntagszustellung
Spiegel-Manager Hass beendet Sonntagszustellung

 Bald ist wieder allein der Montag "Spiegel"-Tag - zumindest für Abonnenten des Nachrichtenmagazins. Denn mit der Oster-Ausgabe 16/2009, die feiertagsbedingt bereits am 11. April erscheint, gibt der Verlag seine Abo-Sonntagszustellung auch in den drei verbliebenen Städten Berlin, Dresden und Lübeck auf. Dies bestätigt "Spiegel"-Vertriebschef Thomas Hass auf Anfrage von HORIZONT.NET: „Die Sonntagszustellung ist wirtschaftlich nicht darstellbar." Einen solchen Schritt hatte Geschäftsführer Ove Saffe bereits im Januar im HORIZONT-Interview (3/2009) angedeutet. Nicht betroffen ist der Einzelverkauf; im Bahnhofsbuchhandel etwa wird der „Spiegel" weiterhin bereits sonntags erhältlich sein.

Mit dem Abo-Stopp am Sonntag endet für den „Spiegel" ein achtjähriges Vertriebsprojekt, an das Redaktion und wechselnde Geschäftsführer einst große Hoffnungen geknüpft hatten: Man versprach sich Impulse im Leser- und Anzeigenmarkt, weil das Heft aktueller verfügbar sei und am Wochenende intensiver genutzt werden könne. Bereits Saffes Vor-Vorgänger Karl Dietrich Seikel hatte das Thema immer mal wieder durchgerechnet - und in Berlin (2001), Frankfurt (2002) und Lübeck (2005) gestartet -, war allerdings vor den hohen Kosten eines flächendeckenden Vertriebs zurückgeschreckt. Nachfolger Mario Frank hatte das Thema gar zu einer der Säulen seiner „Wachstumsoffensive" erklärt und den Sonntagsvertrieb im Sommer 2007 auf Dresden, Hamburg und Düsseldorf ausgedehnt - mit Hoffnung auf mehr.

Doch bereits im Frühjahr 2008 hat Frank das Projekt in Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt wieder gestoppt. Vertriebspartner in diesen drei Städten war die Deutsche Post. Die Sonntagszustellung in Berlin, Lübeck und Dresden hingegen lag bis zuletzt in den Händen der Berliner Zustell- und Vertriebsgesellschaft (BZV), der „Lübecker Nachrichten" sowie des MVD Medienvertriebs Dresden („Sächsische Zeitung"). Und obwohl die privaten Botennetze sonntags wohl preisgünstiger arbeiten als die Deutsche Post - die künftig wieder die reguläre Montagsbelieferung übernimmt -, hat sich das Projekt wegen der höheren Logistikkosten offenkundig nicht gerechnet.

In den vergangenen Monaten wurde zudem spekuliert, dass bei einem Stopp des Sonntagsvertriebs auch die Zahl der Druckstandorte wieder reduziert werden könnte. Bislang wird der „Spiegel" bei Prinovis in Itzehoe, Dresden und Nürnberg gedruckt. Nürnberg kam allerdings erst Ende 2007 hinzu. Lange Jahre zuvor war der „Spiegel" - wohl deutlich kostengünstiger - mit zwei Druckereien ausgekommen. „Die Druck-Standorte sind unabhängig von der Sonntagszustellung", entgegnet Vertriebschef Hass. rp
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