Endspurt um zweite Radiokette in Rheinland-Pfalz

Donnerstag, 10. Februar 2011
Kristian Kropp ist überzeugt, dass BigFM den Zuschlag erhält
Kristian Kropp ist überzeugt, dass BigFM den Zuschlag erhält

Die deutsche Radiobranche schaut gespannt nach Ludwigshafen. Dort soll am kommenden Montag die Entscheidung darüber fallen, welcher Anbieter künftig die zweite private Hörfunkkette in Rheinland-Pfalz betreiben darf. Dass der bisherige Inhaber BigFM Hot Music Radio das Rennen macht, ist dabei alles andere als sicher. Denn neben dem Tochterunternehmen von RPR 1 räumen Beobachter auch dessen Mitbewerber, dem zur NRJ-Gruppe gehörenden Radio 4 You(th) mit Energy Rheinland-Pfalz, eine realistische Chance auf die begehrte Lizenz ein. Now FM der Leipziger Radioholding Regiocast ist der dritter Bewerber um die Lizenz. NRJ hat angekündigt, am künftigen Senderstandort Mainz 25 Arbeitsplätze zu schaffen und sein Programm dort zu erstellen (HORIZONT 48/10). BigFM will dagegen den Senderstandort Ludwigshafen ausbauen. Kristian Kropp, Geschäftsführer von RPR 1 und Big FM Hot Music Radio, gibt sich siegessicher und behauptet: „RPR garantiert mit seinem BigFM-Konzept für Rheinland-Pfalz die meisten Arbeitsplätze im Land, deutlich mehr als die Mitbewerber, und ist heute schon federführend bei der Vernetzung von Radio und Online."

Der Wettstreit zwischen BigFM und NRJ ist auch überregional von Bedeutung. Sollte sich NRJ in Rheinland-Pfalz durchsetzen, wäre es als nationale Jugendradiomarke kaum noch zu stoppen, während BigFM auf Baden-Württemberg und das Saarland zurückgeworfen wäre. Glaubt man Kristian Kropp steht noch mehr auf dem Spiel: „Wenn der Umsatz von BigFM wegfiele, dann wäre auch RPR in der jetzigen Form nicht mehr haltbar", sagte er der „Rheinpfalz".

Demnach steuert BigFM rund ein Drittel zum Gesamtumsatz von RPR bei. Dieser lag im Geschäftsjahr 2009 bei 18,8 Millionen Euro. Allerdings gibt es Zweifel, ob RPR wirtschaftlich auf BigFM angewiesen ist. In den vergangenen Jahren soll RPR aus eigener Kraft erkleckliche Überschüsse erwirtschaftet haben, während BigFM offenbar nur geringe Anteile zum Gewinn beigetragen hat. Allerdings brach der Bilanzgewinn von RPR 2009 im Vergleich zum Vorjahr um fast 1,5 Millionen Euro auf 589.000 Euro ein. Zu diesem Gewinn steuerte BigFM mit 240.000 Euro fast die Hälfte bei. In den Jahren zuvor konnte RPR allerdings höhere Gewinne erzielen, ohne auf die Erträge seines Schwesterprogramms angewiesen zu sein. Kropp ließ eine Frage zu den Geschäftszahlen unbeantwortet.

Für die anstehende Lizenzvergabe ist die Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK), Ludwigshafen zuständig. In ihr spielt Direktor Manfred Helmes eine wichtige Rolle. Dem Vernehmen nach will er der LMK-Versammlung BigFM vorschlagen und braucht am Montag eine Mehrheit von 22 Stimmen. Bislang soll sich unter Versammlungsmitgliedern aber noch kein klares Meinungsbild zugunsten eines Bewerbers herauskristallisiert haben.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum sich Big FM kritischen Fragen der LMK stellen musste

BigFM musste sich kritische Fragen zum Rheinland-Pfalz-Bezug anhören. Diesen Eindruck vermittelt eine Studie des Medieninstituts Ludwigshafen. Im September 2010 hatte es das Programm von BigFM Hot Music Radio im Auftrag von dessen Mitbewerber NRJ über fast zwei Wochen rund 152 Stunden lang abgehört. Ergebnis: Die Beiträge mit Landesbezug machten pro Stunde nur 1,7 Minuten im Tagesprogramm zwischen 6 und 20 Uhr aus. Sollte das zutreffen, wäre das deutlich weniger Landesbezug als ursprünglich vorgesehen. Zum Start von BigFM im Juli 2003 ging die Landesmedienanstalt davon aus, dass der Sender in der Zeit von 6 bis 18 Uhr fünf Minuten „redaktionelles Wort mit regionalen Inhalten" auszustrahlen hat. BigFM will sich auf Nachfrage nicht zur Studie äußern.

Für Renate Pepper, Vorsitzende der LMK-Versammlung, wird die Untersuchung nicht über Wohl und Wehe von BigFM entscheiden: „Dass Auflagen früher möglicherweise nicht eingehalten wurden, ist kein Grund einen Sender jetzt nicht mehr zu lizenzieren." LMK-Direktor Helmes will die Programmstudie nicht kommentieren, da sie vom BigFM-Konkurrenten in Auftrag gegeben worden sei. Allerdings schließt der LMK-Boss nicht aus, dass es zwischen seiner Aufsichtsbehörde und der Geschäftsführung von BigFM früher einen Austausch über Abänderungen im Programm gegeben habe. Jedenfalls ließ die LMK dessen Programm regelmäßig untersuchen, wie Helmes betont. Doch allzu viel konnte sie wohl nicht ausrichten, da die Auflagen für den Sender offenbar rechtlich nicht bindend waren. BigFM erhielt 2003 lediglich eine abgeänderte Lizenz seines Vorgängers RPR 2 und darf auf den Frequenzen sein Junge-Leute-Programm verbreiten.

Der künftige Lizenznehmer muss dagegen verbindliche und deutlich härtere Lizenzauflagen erfüllen. Zwischen 6 und 20 Uhr hat er fünf Minuten pro Stunde nationale und internationale Nachrichten aus Politik und Gesellschaft zu senden, und die übrigen redaktionellen Inhalte müssen einen überwiegenden Bezug zum Land Rheinland-Pfalz aufweisen. Zudem muss der Anbieter interaktive Angebote für die Zielgruppe bereithalten und die Jugendmusikszene in Rheinland-Pfalz in sein Programm einbinden.

Neben der Lizenz für die zweite Kette wird die LMK am Montag auch über die Stadtfrequenz in Mainz entscheiden, gegen deren Ausschreibung sich RPR lange gewehrt hatte, weil der Sender die Konkurrenz durch ein weiteres Lokalradio fürchtet. Dem Vernehmen nach will Helmes der LMK-Versammlung die Gruppierung um Vittorio Nobile vorschlagen und damit die Bewerbung von Mainzer Unternehmern (Radio Mainz) übergehen. Nobile ist Chef von Antenne Koblenz und hat sich mit 106Punkt6 Lokalradio und Radio Mainz Live auf eine gemeinsame Bewerbung verständigt. Guido Schneider 

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